Ken Loach erhielt Ehrenleopard

15. August 2003, 21:30
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Ehrung für Lebenswerk - Sein erster Spielfilm "Poor Cow" entstand 1967

Locarno - Der britische Filmregisseur Ken Loach ist am Freitagabend mit dem diesjährigen Ehrenleoparden des Filmfestivals Locarno ausgezeichnet worden. Der undotierte Preis wurde Loach von seinem italienischen Kollegen Ettore Scola überreicht.

Anfänge bei der BBC

Der 1936 geborene Loach studierte zuerst Rechtswissenschaften, dann wechselte er zur Theaterregie. 1963 begann er für die BBC zu arbeiten. Mit Tony Garnett, der bis Ende der 70er Jahre alle seine Filme produzierte, drehte er 1966 den Dokumentarfilm "Cathy Come Home" über Obdachlose im Süden Londons, der massive Reaktionen auslöste.

Sein erster Spielfilm "Poor Cow" entstand 1967. International bekannt wurde Loach 1969 mit dem Spielfilm "Kes". Die Darstellung des harten Alltags eines Jugendlichen in Yorkshire machte deutlich, dass Loach nicht an leichter Unterhaltung interessiert war.

Soziale Ungerechtigkeit als Thema

In seinem Filmschaffen thematisiert Loach die soziale Ungerechtigkeit und zeigt Misstrauen und Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem bürokratischen Apparat. Seine bis heute 17 Kinofilme handeln vom Patriarchat und von politischen Hierarchien, später auch von revolutionären Bewegungen.

In Filmen wie "Family Life" (1971), "Ladybird, Ladybird" (1994) oder "Sweet Sixteen" (2002) porträtiert Loach verzweifelte Individuen in ihrem familiären oder gesellschaftlichen Umfeld. Filme wie "Hidden Agenda" (1990), "Land of Freedom" (1995) oder "Carla's Song" (1996) hinterfragen die Macht des Staates gegenüber dem Individuum, das sich für Demokratie und Unabhängigkeit einsetzt. Loachs realistische Inszenierung, sein Umgang mit Laiendarstellern und sein distanzierter Filmstil sorgen dafür, dass trotz der häufig brutalen und harten Ereignisse die dargestellten Schicksale nicht bloß zum Vehikel emotionaler Identifikation werden.

Loach: Blair gehört wie Berlusconi zur "neuen Rechten"

Loach machte am Freitag klar, dass er ein militanter Filmschaffender geblieben ist. "Der Sozialismus ist tot", sagte er in Locarno gegenüber der Presse, "die Welt wird von multinationalen Gesellschaften kontrolliert". Den britischen Premierminister Tony Blair verglich er mit seinem italienischen Pendant Silvio Berlusconi; beide gehörten zur "neuen Rechten".

Dass Großbritannien bei dem "ewigen Krieg gegen den Terrorismus" mitmache, hält Loach für fatal. "Der Krieg gegen den Terrorismus ist selber Terrorismus", betonte Loach, er sei "a rape of the world", eine Vergewaltigung der Welt.

Neuer Film "A Fond Kiss"

Loach erhielt für sein Filmschaffen zahlreiche Auszeichnungen, darunter in Cannes den Preis der Jury 1990 für "Hidden Agenda" und 1993 für "Raining Stones". "Riff-Raff" brachte ihm 1992 den Felix als bester europäischer Film ein. Soeben hat er in Schottland die Dreharbeiten für seinen neuen Film "A Fond Kiss" abgeschlossen.

Den Ehrenleoparden verleiht das Filmfestival Locarno jährlich an eine Persönlichkeit der Filmwelt für ihr Lebenswerk, die mit ihrem Filmschaffen maßgeblich zur Erneuerung der Filmsprache, der Inhalte und der Ausdrucksformen des zeitgenössischen Kinos beigetragen hat. (APA/sda)

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    Ken Loach mit goldenem Ehrenleoparden

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