Hambali: "Bin Laden des Osten"

17. August 2003, 15:42
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Singapur - Wer den Lebenslauf von Riduan Isamuddin alias Hambali nachvollzieht, folgt einer Blutspur. Der fanatische Islamist, der in dieser Woche nach monatelanger Verfolgungsjagd in Thailand festgesetzt wurde, gilt als Chefplaner der radikalislamischen Jemaah Islamiyah (JI), als ranghohes Mitglied der Terrororganisation El Kaida und als Drahtzieher zahlreicher Attentate. Terrorismusexperten nennen ihn auch den "Osama bin Laden des Osten". Denn wie der El-Kaida-Chef zählt Hambali zu den mächtigsten und erbarmungslosesten Verfechtern von islamischen Religionsstaaten.

Anders als der El-Kaida-Chef Bin Laden wirkte Hambali jedoch stets im Stillen. Der 36-jährige Geistliche hat nie Interviews gegeben und sich zu keinen Video-Aufrufen hinreißen lassen. Er zog hinter den Kulissen die Fäden und organisierte in aller Ruhe Blutbäder quer durch Südostasien. Nach Einschätzung von Terrorismusexperten ist der Indonesier für den Anschlag auf der Ferieninsel Bali verantwortlich, bei dem im Oktober vergangenen Jahres 202 Menschen starben. Auch das Attentat auf das Marriott-Hotel in Jakarta mit zwölf Toten soll auf sein Konto gehen, ebenso wie die Bombenanschläge auf mehrere christliche Kirchen in Indonesien, bei denen zu Weihnachten 2000 19 Menschen getötet wurden.

Der "meistgesuchte Mann Asiens"

Hambali soll hinter den brutalen Religionskämpfen zwischen Moslems und Christen auf den indonesischen Molukken stecken und wird mittlerweile auch mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in Verbindung gebracht. Nach Expertenansicht machte er zwei der Attentäter in Malaysia miteinander bekannt. Der "meistgesuchte Mann Asiens" steht auf den Fahndungslisten der Behörden in Malaysia, Singapur, den Philippinen und seinem Heimatland Indonesien.

Seine Extremistenkarriere startete der Sohn eines armen Kleinbauern aus einem Dorf in West-Java in jungen Jahren. Als eines von 13 Kindern wuchs er zunächst zu einem gläubigen, aber zurückhaltenden Moslem auf, bevor er in einer Religionsschule erstmals mit Fanatikern in Kontakt kam. Mit 19 floh er vor dem damaligen Diktator Suharto nach Malaysia. Dort freundete er sich mit dem Chef der Jemaah Islamiyah, Abu Bakar Bashir, an, der auch sein Mentor wurde.

"Der Stratege"

Zwischen 1987 und 1991 kämpfte Hambali in Afghanistan gegen die sowjetische Besatzung. Anschließend kehrte er nach Malaysia zurück, wo er offenbar von einem kleinen Dorf aus das Netzwerk der Jemaah Islamiyah knüpfte. "Hambali war der Stratege", beschreibt der Singapurer El-Kaida-Experte Rohan Gunaratna den stämmigen Gelehrten. "Er sprach wenig, legte Wert auf Geheimhaltung und Trainingsübungen und plante den Dauerkrieg." Das erklärte Ziel der Jemaah Islamiyah ist ein islamistischer Superstaat, der Malaysia, Indonesien, Singapur, Brunei und die philippinische Insel Mindanao umfassen soll.

Dass Hambali jetzt gefasst werden konnte, hat für Terrorismusexperten einen ähnlichen Stellenwert, wie sie eine Festnahme von Osama bin Laden haben würde. Der Indonesier habe das gesamte JI-Netz kontrolliert, erläutert Gunaratna. Zudem habe er sowohl in der JI als auch bei El Kaida in den Führungsgremien gesessen.

"Die wichtigste Festnahme"

"Das ist die wichtigste Festnahme, die wir uns wünschen konnten", sagt auch der australische Wissenschaftler Clive Williams. Hambali habe für Asien und Australien die gleiche Bedeutung wie Bin Laden für die USA. Die Festnahme des Chefplaners habe der Jemaah Islamiyah vermutlich "einen Psycho-Schock" versetzt. Bedrohlich sei die Organisation aber weiterhin. "Es wird andere Hambalis geben", prophezeit der Australier. (APA/AFP)

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