Blair erneut unter Druck

18. August 2003, 09:39
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Kelly wurde nach einer zweiten Befragung mit "ernsten Konsequenzen" gedroht, sollte er gegen "Standards" des Ministeriums verstoßen

London - Nach Bekanntwerden einer schriftlichen Rüge an den britischen Waffenexperten David Kelly und der Rolle des Regierungschefs bei den Befragungen ist Premierminister Tony Blair erneut unter starken Druck geraten. Die jüngsten Ermittlungsergebnisse fügten sich in eine "skandalöse Liste von Schikanen und Einschüchterungen gegen einen Beamten, der es gewagt hat, sich mit der Regierung anzulegen", schrieb die britische Tageszeitung "Daily Mirror" am Freitag. Der "Independent" titelte: "Wie das politische Establishment Dr. Kelly in den Tod jagte".

Zweites Interview

Der Geheimdienstler Martin Howard hatte bei den Ermittlungen zu Kellys Tod am Donnerstag ausgesagt, Blair habe persönlich angeordnet, dass das Verteidigungsministerium den Biowaffenexperten erneut zu seinem BBC-Interview befragen solle. Es habe "hochrangige Telefongespräche" zwischen Blairs Sicherheitskoordinator David Omand und Staatssekretär Kevin Tebbit vom Verteidigungsministerium gegeben. Omand habe in Blairs Namen gesagt, dass die Regierung mehr über Kellys Gespräch mit dem BBC-Reporter Andrew Gilligan wissen müsse.

Drohung mit "ernsthafen Folgen"

Kelly sei daraufhin am 7. Juli zum zweiten Mal zu seinem Interview mit dem BBC-Reporter Andrew Gilligan befragt worden, sagte Howard weiter. Anschließend habe er eine schriftliche Rüge von seinem Vorgesetzten erhalten, die ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurde. In dem Schreiben warnte der Personalchef des Verteidigungsressorts, Richard Hatfield, den 59-jährigen Wissenschaftler vor "ernsthaften Folgen", sollte er erneut gegen den "Standard" im Ministerium verstoßen.

Kelly war am 18. Juli nahe seines Wohnortes bei Oxford mit aufgeschnittener Pulsader tot aufgefunden worden. Der frühere UNO-Waffeninspektor in Irak und Berater im Londoner Verteidigungsministerium war der wichtigste Informant für einen Bericht der Rundfunkanstalt BBC, wonach die britische Regierung mit fragwürdigen Geheimdienstinformationen die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen aufgebauscht hat. (APA/AFP)

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