Israel entlässt weitere palästinensische Gefangene

16. August 2003, 19:10
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Abermals Razzia und Hauszerstörung im Westjordanland

Jerusalem - 73 Palästinenser sind am Freitag aus israelischer Haft entlassen worden. Sie wurden in Bussen in den Gazastreifen und ins Westjordanland gebracht. Bei den 73 Freigelassenen handelte es sich überwiegend um Personen, die wegen krimineller Vergehen oder illegaler Einreise nach Israel verurteilt worden waren. Ranghohe Aktivisten radikaler Organisationen befanden sich unter ihnen ebenso wenig wie unter den 334 Palästinensern, die bereits in der vergangenen Woche freigekommen waren. Die Häftlingsfrage ist einer der Hauptstreitpunkte bei den gegenwärtigen Nahost-Friedensverhandlungen. Israel weigert sich, palästinensischen Forderungen nach Freilassung aller rund 7.000 Gefangenen nachzukommen.

Israelische Soldaten hatten am Donnerstag in einem gezielten Angriff einen Führer des Islamischen Dschihads, Mohammed Sidri, getötet. Die Gruppe kündigte umgehend Vergeltung an, obwohl sie sich ansonsten weiter zu dem seit 29. Juni geltenden Waffenstillstand bekannte. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas erklärte, Israel habe mit den Tötungen der Anführer palästinensischer Organisationen die Spannungen verstärkt und bedrohe damit den Friedensprozess.

Razzia

Am Freitag drangen israelische Soldaten in das Büro des palästinensischen Geheimdienstes in Nablus ein und suchten nach Dokumenten. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben Möbelstücke zerstört. Im bei Nablus gelegenen Flüchtlingslager Balata sprengten Soldaten das Haus eines militanten Palästinensers, der Mitte Mai bei einem Feuergefecht vor einer jüdischen Siedlung getötet worden war.

Israel will nach eigenen Angaben trotz der jüngsten Spannungen in Nahost am international vermittelten Friedensplan festhalten. Seine Regierung fühle sich dem Friedensfahrplan "vollkommen verpflichtet", sagte Ministerpräsident Ariel Sharon der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Freitagsausgabe). Israel stelle "mit Genugtuung" fest, dass es bereits weniger Anschläge auf israelische Ziele gebe.

"Wenn wir aber erfahren, dass neue Anschläge vorbereitet werden, (...) werden wir handeln - zumal wir sehen, dass die Palästinenserführung dies nicht tut", betonte Sharon. Er habe seine Zweifel, ob der palästinensische Regierungschef Abbas genügend Kraft habe, um radikalislamische Palästinensergruppen aufzulösen. Solange der "Terrorismus" aber geduldet werde, sei keine politische Lösung möglich. (APA/AP/AFP)

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