Debian feiert Geburtstag

24. August 2003, 09:38
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Größte nicht-kommerzielle Linux-Distribution wird bereits zehn Jahre alt

Am Anfang war der Ärger. Der Ärger über falsche Versprechungen von Linux-Distributoren, zu viele Fehler in den Programmen und die fehlende Trennung zwischen freier und nicht-freier Software. Am 16. August 1993 rief Ian Murdock deshalb in einer Newsgroup eine Initiative für ein freies Betriebssystem ins Leben. Aus seinem Vornamen und dem seiner Frau Debra entstand der Name für das Projekt: Debian. Die größte nicht-kommerzielle Linux-Distribution feiert jetzt ihren zehnten Geburtstag.

Unterstützung

Debian war von Anfang ganz der Idee der freien Software verpflichtet, weshalb die Distribution auch ein Jahr lang vom GNU-Projekt der Free Software Foundation unterstützt wurde. Und damit es auch keine Unklarheiten gibt, entstanden die Debian-Richtlinien für Freie Software (DFSG), die genau festlegen, was freie Software ist und die Teil des "Gesellschaftsvertrags" von Debian. Dort wird versprochen, dass Debian "vollständig aus Freier Software bestehen" und dass niemals "das Gesamtsystem von nicht-freier Software abhängig" sein wird.

Qualität

Debian ist zwar keine kommerzielle Distribution, aber ihr Ziel war es von Anfang an, sich mit kommerziellen Distributionen messen zu können - vor allem in punkto Qualität. Debian-Programme wurden und werden deshalb immer und immer wieder getestet. Eine Software, die zu viele Fehler aufweist, fliegt raus. Dies führt dann auch dazu, dass eine neue, als stabil bezeichnete Version schon mal deutlich länger als ein Jahr braucht. Debian hat zwar den Ruf, nicht unbedingt die benutzerfreundlichste Linux-Ausgabe bei der Installation zu sein, dafür wurden schon immer Stabilität und Schnelligkeit gelobt.

Entwicklergemeinde

Was mit der Idee eines Einzelnen begann, findet eine weiter stetig wachsende Zahl von aktiven Mitarbeitern auf der ganzen Welt. Inzwischen gibt es mehr 1.100 registrierte Entwickler und einige hundert Anwärter. Denn um die Qualität garantieren zu können, werden nicht nur die Programme, sondern auch die Mitarbeiter getestet. Erst wer bewiesen hat, dass er Programmieren und Programme "pflegen" kann, darf offiziell an Debian mitarbeiten. Und bei inzwischen offiziell 8.710 Softwarepaketen gibt es viel Arbeit.

Pakete

Der Sicherstellung der Qualität und der Konsistenz eines Debian-Systems dient auch das eigene Paket-Management dpkg. Es soll garantieren, dass auch nichts fehlt, wenn ein Debian-Programm, zu erkennen an der Endung .deb, installiert wird. Selbst umfangreiche Programme, die ihrerseits auf viele andere zurückgreifen, lassen sich damit leicht auf den Rechner bringen.

Plattformen

Debian läuft heute auf so ziemlich allem, was einem Computer auch nur ähnlich sieht. Die Liste der so genannten Portierungen reicht von normalen PC-Prozessoren über Rechner mit Sparc- und Motorola-Chips (Sun und Apple) bis zu PA-RISC-Computern von HP und 64-Bit-Prozessoren von Intel.

Anspruchsvoll

Ursprünglich handelte es sich bei Debian zwar um eine Programmsammlung rund um das Betriebssystem Linux. Der Anspruch ging aber immer schon darüber hinaus. Inzwischen wird auch an der Verwendung anderer Betriebssystemkerne wie GNU/Hurd, NetBSD und FreeBSD gearbeitet. Darüber hinaus gibt es noch Bestrebungen, Beowulf-Cluster unter Debian laufen zu lassen. Und selbst über Windows wird zumindest diskutiert.

Basis

Auch wenn Debian keine Distributionen im kommerziellen Sinne ist, so wird es doch auch von zahlreichen Firmen eingesetzt. Bekanntere Unternehmen sind Xandros oder Lindows. In Deutschland noch bekannter dürfte Knoppix sein.

Kommerzielle Probleme

Dass es aber nicht ganz einfach ist, mit Debian Geld zu verdienen, musste auch Projekt-Gründer Murdock mit seiner Firma Progeny erfahren. Den Vertrieb einer fertig verpackten Debian-Version musste er bald wieder einstellen. Inzwischen scheint er seine Schlüsse daraus gezogen zu haben. "Linux ist kein Produkt", schrieb er in einem Artikel. "Es ist ein Projekt."

Virtuell reell

Debian existierte von Anfang an nur im Internet und da ist es auch bis heute geblieben. Das heißt natürlich nicht, dass sich die Mitarbeiter nie sehen. Sie treffen sich rund um den Globus auf Veranstaltungen wie jüngst dem LinuxTag in Karlsruhe. Und zum Geburtstag finden auch überall Feiern statt, Informationen dazu gibt's - im Internet. (APA)

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    montage: redaktion
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