"Ost ist Kult"

21. August 2003, 18:16
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DDR-Shows erobern die deutschen Bildschirme - Von der "Revival-Party der besonderen Art" bis zur "ultimativen Ost-Show"

Die DDR-Welle schwappt unaufhaltsam auf die deutschen Bildschirme: Private wie öffentlich-rechtliche Sender werden sich in Kürze auf teils unterhaltsame Art und Weise mit dem "Arbeiter- und Bauernstaat" in all seinen Facetten beschäftigen. Den Auftakt macht am Sonntag (17. August) das ZDF. Ab 21.45 Uhr präsentiert das Moderatoren-Duo Andrea Kiewel und Marco Schreyl aus dem ZDF-Fernsehgarten in Mainz "Die Ostalgie-Show", teilte der Sender mit.

"Ost ist Kult"

"Ost ist Kult", meint das ZDF und will daher "eine Revival-Party der besonderen Art" zelebrieren. Was war bei den DDR-Bürgern angesagt? Welche Platten hörten sie? Gäste aus der Show- und Filmbranche wie auch aus dem Sport werden sich den Fragen der Moderatoren stellen. Neben der Eiskunstläuferin Mandy Wötzel haben unter anderem der Moderator und Schauspieler Karsten Speck sowie "Russendisko"-Autor Wladimir Kaminer zugesagt.

Todesschüsse, Stacheldraht und Stasiknast

Todesschüsse, Stacheldraht und Stasiknast - in einer losen Reihe wird sich ab Montag (18. August, 21.00 Uhr ) das MDR-Magazin "FAKT" mit der DDR beschäftigen. " 'FAKT' dokumentiert die Grausamkeiten der SED-Diktatur über dramatische Einzelschicksale", heißt es in einer Mitteilung des Senders aus Leipzig. Den Auftakt bildet ein Bericht über Sigrid Paul und deren Sohn, der während des Mauerbaus im August 1961 längere Zeit in West-Berlin behandelt werden musste. Die innerdeutsche Grenze teilte die junge Familie.

Die "ultimative Ost-Show"

Bei den privaten Sendern wollen später Ulrich Meyer und Axel Schulz in der "ultimativen Ost-Show" auf Sat.1 (23. und 30. August, jeweils 20.15 Uhr) nachlegen. Die Erinnerungen Prominenter sollen in der Sendung mit historischen Filmaufnahmen angereichert werden. Für RTL wollen Oliver Geißen und Katarina Witt mit der vier Folgen umfassenden "DDR Show" (Start: 3. September, 21.15 Uhr) Quote machen.

Gefahr der Boulevardisierung

Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, beobachtet den DDR-Fernsehboom derweil mit "aufgeschlossener Skepsis". "Die ideologischen Interpretationen haben in den letzten ein, zwei Jahren praktisch ihre Kraft verloren", sagte Krüger. Mit den massenmedialen Formaten bestehe nun die Chance, sich unvoreingenommen mit der DDR zu beschäftigen. Gleichzeitig sei die Gefahr der Boulevardisierung jedoch groß.

"Aufpassen, dass DDR nicht Kult wird"

Zum 42. Jahrestag des Mauerbaus am vergangenen Mittwoch hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Rande der Gedenkveranstaltungen vor einer Verklärung der DDR gewarnt. "Wir müssen aufpassen, dass die DDR nicht Kult wird." Menschen hätten die Tendenz, sich in der Rückschau nur an das Positive zu erinnern. Dagegen helfe nur Aufklärung. "Wir müssen aus der Geschichte lernen und der jungen Generation verständlich machen, warum sich das Unrechtssystem in der DDR so lange halten konnte", sagte der Regierende Bürgermeister. (APA/dpa)

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