Billigtelefonanbieter jagen Bell in den USA Kunden ab

24. August 2003, 09:22
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FCC plant Readaptierung von Gebührengesetz für Netzwerke

Bell Companies, die nach der Aufsplittung der AT&T entstanden sind, stehen in Kalifornien schwere Zeiten bevor. Durch ständige regulative Änderungen im Telekommunikationssektor, die von der Federal Communication Commission (FCC) beschlossen werden, vermischen sich verschiedenste Bereich von Telekommunikationsservices. So nehmen Kabelunternehmen Internet-Telefondienste in ihr Sortiment auf und sogar Walt Disney Co. zieht die Implementierung von Mobiltelefon-Diensten durch ihre Tochterfirma ESPN in Betracht. Unter den Bell Companies befinden sich SBC , MCI, Qwest Communications International, Verizon Communications und Bell South, berichtete das Wall Street Journal.

Zuspruch

Nach der Aufsplittung von AT&T verfügten die Bell Companies über das nationale US-Telefonnetzwerk, wobei AT&T die Betreuung der internationalen Telefonverbindungen zugesprochen wurde. 1996 ermöglichte ein US-Bundesgesetz auch Privatanbietern die nationalen und internationalen Telefonnetze gegen Zahlung einer Gebühr zu benützen. Laut den FCC-Guidelines walten die Telekommunikations-Aufsichtsbehörden der einzelnen US-Bundesstaaten über die Höhe der Gebühren, die Privatanbieter für die Benützung der Netze zahlen müssen. Im April 2002 wurden die Gebühren drastisch gesenkt. Dies hatte einen Ansturm von MCI und AT&T auf die lokalen Telefonnetze zur Folge. Durch die Freigabe der Telefonnetze an Privatanbieter und die Gebührenreduktion drangen immer mehr Privatanbieter auf den Markt, die ihre Dienste sehr viel billiger anbieten konnten als die Bell Companies.

Lokal

Diese Entwicklung traf die Bell Companies vor allem in Kalifornien am härtesten. SBC gingen Kunden für 1,8 Millionen lokale Telefonleitungen von April 2002 bis Juni 2003 durch die Finger. Diese Kunden wurden von Privatanbietern, die sich auf Fernverbindungen spezialisiert hatten, und Kabelunternehmen abgeworben. Für diese Unternehmen war es durch die Aufsichtsbehörden einfach und vor allem kostengünstig geworden, das SBC-Netzwerk zu verwenden. Seit die SBC vor acht Monaten die Berechtigung zum Betreiben von Fernverbindungen erhielt, drehte das Unternehmen den Spieß um und setzte verstärkt auf Breitband- und Wirelessdienste. Darüber hinaus änderte SBC auch seine Preispolitik. Das Unternehmen bot vor acht Monaten Fernverbindungen zu einem Preis von zehn Cent pro Minute an, für die ein User im April diesen Jahres nur mehr für fünf Cent zahlte. Im Juni 2003 kürzte SBC auch das monatliche DSL-Entgelt um 40 Prozent auf 29,95 Dollar.

Verluste

Trotz der Versuche des Unternehmes in anderen Telekommunikationssektoren auszubauen, gelang es SBC nicht, den Verlust der nationalen- und Fernfestnetzverbindungen auszugleichen. SBC-General Counsel Jim Ellis sagte in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal, das SBC bis zu 10.000 Kunden pro Tag verliere. Trotz der rund drei Millionen Kunden, die Fernverbindungen in Kalifornien abgeschlossen haben, könne das Unternehmen die Verluste aus lokalen Netzwerken nicht kompensieren. Die SBC sieht die Wurzel allen Übels in den Regulierungen der FCC. Diese erlaubt Konkurrenten die SBC-Netzwerke für weniger Geld zu mieten, als die SBC zur Instandhaltung dieser Netze benötigt. Als Gegenreaktion auf die Beschwerden der Bell Companies plant die FCC die Berechnungsmodelle der Netzwerkgebühren für Privatanbieter zu überprüfen und neu zu gestalten. (pte)

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