Stiefelkönig-Insolvenz abgewendet

19. August 2003, 14:29
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BAWAG übernimmt nach langem Tauziehen die angeschlagene Schuhhandelskette - Sanierer Grossnig soll Turnaround schaffen

Wien/Graz - Der Fortbestand der angeschlagenen Schuhhandelskette Stiefelkönig (Graz) ist gesichert und die drohende Insolvenz abgewendet: Die Hausbank BAWAG/P.S.K. übernimmt die Stiefelkönig-Gruppe, die zuletzt rund 1.350 Beschäftigte zählte. Ein entsprechender Vertrag wurde am Donnerstag unterzeichnet, wie die Bank am Donnerstagabend mitteilte.

Ziel: Mittelfristiger Turnaround

Ziel der Übernahme sei es, mittelfristig den Turnaround zu erreichen. Begleiten wird die geplante Sanierung der Sanierungsexperte Erhard Grossnig, der bereits seit November 2001 bei Stiefelkönig eingesetzt war, um das verlustträchtige Familienunternehmen (Herzl, Steinlechner) aus den roten Zahlen zu bringen.

Grossnig werde als Vorsitzender des Stiefelkönig-Aufsichtsrates die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts von Geschäftsführer Bernd Kriegseisen begleiten, so die Bank weiter. Aus Sicht der BAWAG/P.S.K. sei das Ziel, mittelfristig den Turnaround zu erreichen, durch die nun klare Eigentümerstruktur und die durch Einleitung geeigneter Maßnahmen auf Basis eines Sanierungskonzepts möglich.

BAWAG zuversichtlich

Ähnlich wie bei bereits erfolgreich abgeschlossenen Sanierungen in der Vergangenheit werde es der Bank auch dieses Mal gelingen, Arbeitsplätze sowohl im Unternehmen als auch auf Seite der Lieferanten absichern zu können, zeigte sich die Bank nach der Vertragsunterzeichnung zuversichtlich.

Mit dem Closing der Stiefelkönig-Übernahme rechnet die BAWAG/P.S.K. nach Vorliegen der nötigen Genehmigungen - etwa Kartellverfahren - im 3. Quartal 2003. Eine frühere Weiterfinanzierungsgarantie über 82 Mio. Euro war bis 31. Juli d.J. befristet gewesen, auch danach liefen die Verhandlungen mit der Hausbank auf Hochdruck.

Grossnig im Aufsichtsrat

Bereits vor zwei Jahren hatte es bei Stiefelkönig einen finanziellen Tiefstand gegeben, als bei einem Umsatz von 175 Mio. Euro ein Verlust von 16,6 Mio. Euro eingefahren wurde, nachdem frühere Sanierungskonzepte offenbar zu kurz gegriffen hatten. Ende 2001 wurde ein radikales Umstrukturierungsprogramm verkündet, die Delka AG wurde mit Stiefelkönig fusioniert, die Spitzengremien wurden umgebaut.

Als Aufsichtsrat wurde der Sanierer Grossnig eingesetzt, und nach Manfred Herzl, der langjährigen Nummer 1 im Unternehmen, zog sich auch dessen Sohn Alexander zurück. 2002 konnte der Verlust zwar halbiert werden, doch ging ohne die BAWAG im Unternehmen de facto nichts mehr. Vor zwei Monaten setzte sie auch Bernd Kriegseisen als neuen Chef ein. Grossnig hatte schon vor geraumer Zeit als Grund für das Scheitern früherer Sanierungsversuche angegeben, die Eigentümerfamilie habe sich nicht herausgehalten.

1.350 Mitarbeiter

Die Stiefelkönig-Gruppe, zu der neben der Schuhhandelsketten Delka auch Turbo Schuh gehört, fuhr nach früheren Angaben im Jahr 2002 Verluste von 8 Mio. Euro ein, nach einem etwa doppelt so hohen EGT-Verlust 2001. Bei einem Umsatz von zuletzt rund 170 Mio. Euro beschäftigte Stiefelkönig etwa 1.350 Mitarbeiter in 190 Filialen. (APA)

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