Idi Amin "Dada" gestorben

21. August 2003, 14:10
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Ugandas berüchtigter Ex-Diktator erlag Nierenversagen - "Schlächter von Afrika" für Tod Hunderttausender verantwortlich - mit Kommentar

Dschiddah - Der als "Schlächter von Afrika" bekannt gewordene ehemalige ugandesische Machthaber Idi Amin ist tot. Er starb am Samstagmorgen nach mehrwöchiger Behandlung im Alter von knapp 80 Jahren in Saudiarabien, wie die König-Faisal-Klinik in Dschiddah mitteilte. Wenige Stunden nach seinem Tod wurde der Ex-Diktator in Saudiarabien beigesetzt. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) nannte es "traurig", dass Amin nie für seine Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen worden sei. Während Amins achtjähriger Herrschaft in den 70er Jahren wurden in dem ostafrikanischen Land Schätzungen zufolge mehr als 400.000 Menschen getötet.

Amin sei im saudiarabischen Dschiddah nach islamischer Tradition zu Grabe getragen worden, sagte sein Sohn Ali Amin der Nachrichtenagentur AFP in Kampala am Telefon. Er wies Angaben der ugandesischen Regierung zurück, nach denen er auf Bitten einer seiner Ehefrauen in Uganda bestattet werden sollte. Die ugandesische Regierung wäre mit einer Überführung des Leichnams einverstanden gewesen. Zu Lebzeiten drohte Amin in Uganda der Prozess wegen Verbrechen in seiner Regierungszeit.

Nierenleiden

Amin war am 18. Juli ins Krankenhaus eingeliefert worden und war mehrere Tage im Koma gelegen. Auf Bitten seiner Familie hatten die Ärzte in den vergangenen Wochen über Amins Gesundheitszustand geschwiegen, offenbar hatte er aber ein Nierenleiden. Die König-Faisal-Klinik in Dschiddah am Roten Meer gilt als eine der besten medizinischen Einrichtungen im saudiarabischen Königreich. Der frühere Diktator hatte seit über zwanzig Jahren im Exil in Saudiarabien gelebt und dort bis zuletzt eine Rente vom König bezogen.

Sein Tod sei "ein trauriger Kommentar zur Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft", gewisse Staatschefs wegen "massiver Menschenrechtsverletzungen" vor Gericht zu bringen, sagte ein Sprecher von amnesty international in London. Godfrey Binaisa, der 1979 an die Macht gekommene Nachfolger Amins, sagte lediglich: "Ich bedaure seinen Tod nicht - aber ich spreche seiner Witwe Madina und der Familie mein Beileid aus. In Uganda trauerten dagegen auch zahlreiche Menschen auch um "Big Daddy", wie Amin wegen seiner mächtigen Statur auch genannt wurde. Die Zeitungen in Uganda und anderen ostafrikanischen Ländern reagierten mit Erleichterung auf den Tod des Ex-Diktators.

Amin war im Jänner 1971 durch einen Militärputsch an die Macht gekommen. Als Staatspräsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte errichtete er eine diktatorische Willkürherrschaft, der bis zu 400.000 Ugandesen zum Opfer fielen. Der bekennende Verehrer von Adolf Hitler vertrieb im Zuge seiner Afrikanisierungs-Politik außerdem rund 80.000 Menschen indisch-pakistanischer Herkunft aus der ehemaligen britischen Kolonie. Er enteignete ausländische Firmen, vertrieb deren Eigentümer, verteilte den aufgegebenen Besitz an Verwandte und Freunde und führte sein Land innerhalb kürzester Zeit in den wirtschaftlichen Ruin. 1976 ließ sich der ehemalige Boxer und nationale Schwergewichtsmeister zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen.

Während seiner Herrschaft hielten sich Gerüchte, wonach er eine seiner Ehefrauen zerstückelte hatte und die Köpfe politischer Widersacher im Kühlschrank aufbewahrte. Der Diktator soll einen Hang zum Kannibalismus gehabt haben. Nach einer achtjährigen Herrschaft und Zwischenfällen an der ugandesisch-tansanischen Grenze marschierten 1979 tansanische Truppen zusammen mit Exil-Ugandesen in das Land ein und stürzten Amin. Der Diktator fand nach Stationen in Libyen und im Irak in Saudiarabien Exil. Sein genaues Alter ist nicht bekannt. (APA)

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    Der "Schlächter" Afrikas ist tot.

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