Warnstreik mit Konsequenzen

17. August 2003, 19:14
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Nach Kurzstreik der AUA-Piloten droht Vorstand offen mit Entlassungen - Nur kurze Verspätungen nach erstem Ausstand seit zehn Jahren

Wien - Die Piloten der Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) haben am Donnerstagabend einen zweistündigen Warnstreik abgehalten. Es war dies der erste Streik der AUA seit zehn Jahren. Ebenso wie damals ging es diesmal um Sparmaßnahmen bei den AUA-Piloten. Die "fliegenden" Kollegen bei Lauda Air und Tyrolean Airways hielten zwar auch gesonderte Betriebsverhandlungen am Flughafen Wien-Schwechat ab, beteiligten sich aber nicht an den Streiks. Im Gegenteil seien Tyrolean-Crews für AUA-Mannschaften eingesprungen, hieß es aus der AUA.

"Völlig unverantwortlich"

AUA-Vorstand Josef Burger bezeichnete den Streik im APA-Gespräch als "völlig unverantwortlich". Die "nicht nachvollziehbaren Maßnahmen" seien für die Passagiere nachteilig und für das Unternehmen schädlich gewesen - "und gefährden die eigenen Arbeitsplätze der Piloten", sagte Burger. Man werde alle Mitarbeiter über die Konsequenzen solcher Maßnahmen informieren. "Das kann im schlimmsten Fall zur Entlassung führen", kündigte Burger an. Die börsennotierte AUA gehört - über die ÖIAG - zu 39,7 Prozent der Republik Österreich.

Die realen Folgen des Warnstreiks hielten sich in Grenzen: Nur bei zwei Maschinen - Flügen nach Paris und Montreal - sei es zu größeren Verspätungen im Ausmaß von rund zweieinhalb Stunden gekommen. Auch diese Flugzeuge sind mittlerweile gestartet. Von der Protestmaßnahme der AUA-Piloten waren noch sieben weitere Flüge betroffen, allerdings laut AUA mit nur kurzen Verspätungen zwischen 15 Minuten und einer Stunde. Etwa ab 20 Uhr verlief der AUA-Flugverkehr wieder planmäßig. Charter- und Ferienflüge blieben von den Maßnahmen wie angekündigt verschont.

Überraschender Beschluss

Ursprünglich hatten Pilotenvertreter und die Gewerkschaft HTV Streiks in dieser Woche ausgeschlossen, und Arbeitsniederlegungen vielmehr erst für kommende Woche angekündigt. Doch bei der AUA-Betriebsversammlung am Flughafen Wien sei die Stimmung am späten Donnerstagnachmittag unvorhergesehen eskaliert. Als ein Kollege erzählt habe, er sei mit einer fristlosen Kündigung bedroht worden, sei "der Funke übergesprungen": Das fliegende Personal der AUA habe "spontan" beschlossen, einen zweistündigen Warnstreik durchzuführen.

Hintergrund des Warnstreiks ist ein seit Monaten anhaltender Konflikt der AUA-Piloten mit dem Vorstand um Sparmaßnahmen im AUA-Flugbetrieb, der zuletzt eskaliert ist. Am Dienstag waren für drei Tage angesetzte Klausurgespräche zwischen Vorstand und Pilotenvertretern und Gewerkschaftern gescheitert. Beide Seiten schoben einander die Schuld zu, unterstrichen zugleich aber ihre Gesprächsbereitschaft.

Tyrolean schert aus

Zuletzt hat der Vorstand angekündigt, bis 2008 im AUA-Pilotenbetrieb die Kosten je Produktionseinheit (gemessen in Blockstunden) um 35 Prozent senken zu wollen, 2004 sollen in einem ersten Schritt 10 Prozent gespart werden. AUA-Piloten waren zuletzt zu betriebsrechtlichen Zugeständnissen sowie zu einem für Neueinsteiger um 20 Prozent niedrigeren Gehaltsschema bereit. Heute habe man dem Vorstand ein neues Angebot machen wollen, sagte AUA-Bordbetriebsrat Rudolf Novak am Donnerstag.

Das fliegende Personal der Tyrolean schert offenbar aus der "Piloten-Troika" innerhalb der AUA Group aus: Die Personalvertretung wolle sich in nächster Zeit mehr auf interne Probleme konzentrieren, sagte ein Tyrolean-Betriebsrat. "Wir müssen interne Hausaufgaben machen, die wir zuletzt sträflich vernachlässigt haben. Dafür sind wir auch massiv - und zu Recht - angegriffen worden." (APA)

  • AUA-Warnstreik könnte für die Piloten unangenehme Folgen haben.
    montage: derstandard.at

    AUA-Warnstreik könnte für die Piloten unangenehme Folgen haben.

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