Kelly bekam für Kontakt mit Journalisten Rüge

14. August 2003, 17:26
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Verteidigungsministerium wendete jedoch keine Disziplinarmaßnahmen an

London - Der britische Waffenexperte David Kelly wurde vor seinem Selbstmord wegen seiner Kontakte zu Journalisten von Vorgesetzten im Verteidigungsministerium gerügt. Gegen ihn wurden jedoch keine Disziplinarmaßnahmen ausgesprochen, wie am Donnerstag in London im Untersuchungsausschuss zu seinem Tod bekannt wurde. Kelly gilt als die Hauptquelle eines BBC-Berichts, nach dem die britische Regierung in einem Geheimdienstdossier die Gefahr irakischer Waffen aufgebauscht habe, um einen Angriff auf den Irak zu rechtfertigen.

Der Leiter der Personalabteilung, Richard Hatfield, habe Kelly zwei Mal, am 4. und 7. Juli, gerügt, erklärte Kellys Vorgesetzter Bryan Wells. Weitere Verstöße hätten Disziplinarmaßnahmen zur Folge, habe Hatfield angekündigt. "So eine Nachricht vom Leiter der Personalabteilung ist für niemanden eine angenehme Erfahrung", sagte Wells vor Ermittlungsrichter Lord Hutton. Kelly habe jedoch mit seiner Ausbildung zur Waffeninspektion im Irak fortfahren dürfen, betonte er. Allerdings sei der Termin für seine Abreise in den Irak verschoben worden.

In einem Schreiben habe Kelly seinen Vorgesetzten gestanden, mit Andrew Gilligan, dem Autor des BBC-Berichts, gesprochen zu haben, sagte Wells. Er halte sich jedoch nicht für die Quelle des Berichts und stehe dem Irak-Krieg positiv gegenüber, heißt es Wells zufolge in dem Schreiben.

Am 14. Juli beschuldigte Hatfield Kelly in einem Brief schwerer Dienstvergehen, wie James Dingemans, ein am Untersuchungsausschuss beteiligter Anwalt, erklärte. Von Disziplinarmaßnahmen sei jedoch erneut abgesehen worden.

Einen Tag später musste Kelly vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen, drei Tage danach wurde er in der Nähe seines Hauses im südenglischen Abingdon mit aufgeschnittenen Pulsadern tot aufgefunden. Der Selbstmord Kellys hat die Regierung von Premierminister Tony Blair in die größte Krise seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren gestürzt. Der Vertrauensverlust wiegt umso schwerer, als bisher keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden. (APA/AP)

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