Sprengstoffanschlag auf Gebäude der UNMIK-Polizei

15. August 2003, 16:55
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Keine Verletzten - Protestappell der Kosovo-Serben: Belgrad zum Schutz aufgefordert - Holkeri beauftragte Sonderstaatsanwalt

Belgrad/Pristina - Ein unbekannter Angreifer hat Mittwoch Abend einen Sprengstoffanschlag auf das Gebäude der UNMIK-Polizei in der Ostkosovostadt Prizren unternommen, meldete der Belgrader Sender B-92 unter Berufung auf internationale Friedenstruppen im Kosovo KFOR. Opfer habe es keine gegeben, berichtete der Sender.

Holkeri beauftragte Sonderstaatsanwalt mit Causa Gorazdevac

Der neue UNO-Missionschef im Kosovo, Harri Holkeri, hat einen internationalen Sonderstaatsanwalt beauftragt, Ermittlungen in der Causa Gorazdevac aufzunehmen, meldeten Belgrader Medien. Im Westkosovo nahe Pec waren von unbekannten Angreifern am Mittwoch zwei junge Serben getötet und weitere vier verwundet worden. Holkeri hat den Medienberichten zufolge die Tatsache als "niederschmetternd" bezeichnet, dass es zu einer solchen Tragödie gerade an seinem ersten Besuchstag im Kosovo gekommen sei.

Der Oberste Verteidigungsrat Serbien-Montenegros hat nach seiner Sitzung am Donnerstag in Meljine bei Herceg-Novi (Kotor-Bucht) mitgeteilt, dass "eine energische und entschlossene Aktion" der internationalen Friedenstruppen KFOR und der UNMIK zur Festnahme und Bestrafung der Angreifer aus Gorazdevac und der Aufklärung anderer Verbrechen die grundlegende Voraussetzung für die Herstellung des Vertrauens, der Stabilität und des Friedens im Kosovo sei. Die Sitzung des Obersten Verteidigungsrates war nach dem gestrigen Überfall im Kosovo sowie nach mehreren Inzidenten an der administrativen Grenze zwischen der Provinz und Serbien einberufen worden.

Proteste von Kosovo-Serben

Mehrere hundert Kosovo-Serben haben am Donnerstag an einem Protest in Gracanica, unweit von Pristina, teilgenommen,der eine Reaktion auf den Überfall unweit von Pec ist. Demonstranten haben laut Belgrader Medienberichten an die UNO-Mission appelliert, die "Augen aufzumachen".

Der Vertreter des Kosovo-Koordinierungsausschusses der serbischen Behörden in Pristina, Slavisa Kostic, appellierte an die Serbenvertreter in der Provinz- und Kommunalverwaltung, die Arbeit einzustellen. Gleichzeitig wurde auch die Auflösung des Kosovo-Schutzkorps gefordert. Zuständige Belgrader Behörden wurden aufgefordert, die verbliebenen Kosovo-Serben in Schutz zu nehmen. Die Protestierenden verlangten von der UNO-Kosovo-Verwaltung UNMIK, eine Verkehrssperre durch Serbensiedlungen in der Provinz zwischen 18.00 Uhr abends und 06.00 Uhr morgens zu verhängen.

Kosovo-Schutzkorp wird von Kosovo-Seren als Unterschlupf fpr albanische Extremisten betrachtet

Das Kosovo-Schutzkorps wird mit etwa 5.000 Angehörigen seitens der Kosovo-Serben, aber auch von Belgrad seit der Gründung im Herbst 1999 als Unterschlupf für manch einen albanischen Extremisten betrachtet. Proteste der Kosovo-Serben wurden auch in Mitrovica und Leposavic im Nordteil der Provinz angekündet.

Albanische Politiker und Medien hatten den Zwischenfall vom Mittwoch verurteilt. Laut Parlamentspräsident Nexhat Daci würde durch solche Gewaltakte die Zukunft des Kosovo zerstört. Die Institutionen des Kosovo und die Staatengemeinschaft müssten alle ihre Kräfte einsetzen, um die Akteure des Zwischenfalls unweit von Pec aufzudecken, sagte Daci laut den Medien.

Die Tageszeitung "Koha ditore" nannte den Mordangriff einen "Terrorakt", der den Interessen der Kosovo-Bürger zuwider laufe. In ähnlichem Ton reagierte auch der Leitartikler in der Tageszeitung "Zeri". (APA)

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