VA-Tech: Kovats beansprucht "deutlich mehr" als ein Aufsichtsrats-Mandat

18. August 2003, 14:13
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Der Industrielle und größter Aktionär zeigt im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung am 8. September Flagge

Wien - Der Industrielle Mirko Kovats, der über die Victory Industriebeteiligung 19,05 Prozent an der VA Tech hält, wird bei der von ihm verlangten a.o. Hauptversammlung am 8. September in Linz "deutlich mehr" als einen Aufsichtsrat beanspruchen. Ihm sei kein Passus im Aktiengesetz bekannt, der das Beteiligungsverhältnis mit der Zahl der Aufsichtsräte junktimieren würde, sagte Kovats zur APA.

Wieviele Aufsichtsratsmandate er, Kovats, beanspruchen werde, "darüber sind wir jetzt gerade intern dabei, uns den Kopf zu zerbrechen". Ob er, wie dies kolportiert wurde, auch auf eine Vorstandsumbesetzung reflektiere, wollte Kovats nicht beantworten. Für ihn seien "Personen und Namen Schall und Rauch, das ist für mich kein Thema", hielt Kovats fest. "Wir reden jetzt über die Hauptversammlung und den Aufsichtsrat, aber über nichts anderes". Im VA Tech Aufsichtsrat hält die ÖIAG derzeit mit Peter Michaelis als Vorsitzendem und Rainer Wieltsch als Aufsichtsrat zwei Stimmen in dem 15-köpfigen Gremium.

"Alles durchdiskutiert"

Bei der Hauptversammlung und der anschließenden Aufsichtsratssitzung werde aber "alles durchdiskutiert". "Unsere Ertragsvorstellungen sind bekannt, sie lauten auf 5 Prozent ROS (Umsatzrendite) und die Lösung des Problemfalls WABAG". Operativ sei der Vorstand zuständig, "ich sehe das nicht personenbezogen".

Keine Aussage wollte Kovats naturgemäß dazu machen, ob er den 19,05-Prozent-Anteil von Victory Industriebeteiligung an VA Tech aufstocken wolle. Wenn er ein solches Interesse öffentlich machen würde, müsste er ein Übernahmeangebot legen, da die diesbezügliche Grenze laut VA Tech-Satzungen bei einem Stimmrechtsanteil von über 20 Prozent liegt (laut Aktiengesetz 30 Prozent). Weise er sein Interesse an einer Aufstockung seiner Anteile von sich, dann wäre er für 12 Monate von einer Übernahme ausgeschlossen. "Also ist klar, dass ich nichts dazu sagen möchte", so Kovats.

Eigenartig und schwer schädigend für Steuerzahler

Aus diesem Grund sei er in die Transaktion des 9-prozentigen Verkaufs von ÖIAG-Anteilen an VA Tech durch die Deutsche Bank über die Wiener Börse nicht eingebunden gewesen. "Das war nicht unsere Transaktion". Es sei jedoch eigenartig und schwer schädigend für die Steuerzahler gewesen, dass dieser Anteil zu "Unterpreisen" verkauft worden sei und es werde bei den Überprüfungen durch die Finanzmarktaufsicht "schon etwas aufzudecken sein". Bei dem bloc trade am vergangenen Freitag wurden 1,3 Mio. VA Tech-Aktien binnen vier Minuten zum Kurs von 24,6 Euro je Stück verkauft, was von Beobachtern als Unterlaufen der im ÖIAG-Gesetz vorgeschriebenen Gewinnmaximierung kritisiert wurde.

In Abrede stellte Kovats, dass er die Grazer Austrian Energy Energietechnik (AEE), die er im Vorjahr von der insolventen Deutschen Babcock übernommen hatte, wieder in die VA Tech einbringen wolle. "Das Unternehmen (AEE) ist hoch profitabel, die VA Tech derzeit nicht", merkte Kovats an. AEE war im Zuge der VA Tech-Sanierung 1999 als schwer defizitärer Bereich an Babcock Borsig Power abgegeben worden, im Gegenzug hat VA Tech damals die WABAG Wassertechnik von Babcock übernommen.

Ankündigung der a.o. HV am Montag

Kommenden Montag wird die VA Tech im Amtsblatt der Wiener Zeitung die außerordentliche Aufsichtsratssitzung am 8. September in Linz ankündigen. Vorgesehen sind vier Tagesordnungspunkte: 1. Widerruf der Bestellung von Aufsichtsratsmitgliedern, 2. Neuwahl von Mitgliedern des Aufsichtsrates, 3. Bericht des Vorstandes zum 1. Halbjahr 2003 und 4. Beschlussfassung über die Kostentragung der a.o. Hauptversammlung.

Mit Spannung erwartet man bei VA Tech, welche Anträge die beiden Großaktionäre, Victory Industriebeteiligung von Mirko Kovats und die ÖIAG, zur Hauptversammlung einbringen werden. VA Tech habe größtes Interesse, dass diese Anträge rechtzeitig mitgeteilt werden, um diese gemäß Corporate Governance Index auf der VA Tech Homepage zu veröffentlichen, sagte Harald Hagenauer von VA Tech Investor Relations zur APA.

Dem 15-köpfigen VA Tech-Aufsichtsrat gehören derzeit folgende Mitglieder an: 10 Kapitalvertreter: Peter Michaelis (ÖIAG Vorstandssprecher) als Vorsitzender, Franz Struzl (voestalpine) als Stellvertreter, Winfried Braumann (Frauenthal), Alfred Koch, Wolfgang Leitner (Rechtsanwalt), Paul Nilles, Christian Nowotny (WU Wien), Eduard Saxinger (Rechtsanwalt), Albert Widmer (Julius Blum), Rainer Wieltsch (ÖIAG). 5 Arbeitnehmervertreter: Ernst Artner, Anton Beneder, Rudolf Rybiczka, Wilhelm Sturm, Siegfried Tromaier. (APA)

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