Der lange Nachhall des Lockerbie-Anschlags

14. August 2003, 14:55
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Paris - Mit der endgültigen Vereinbarung von Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen des Lockerbie-Attentats hat Libyen am Donnerstag ein jahrelanges Tauziehen beendet. Fast 15 Jahre wurde in Diplomatie und Justiz um eine Einigung gerungen. Die Nachrichtenagentur AFP zeichnet den Weg vom Attentat bis zum Abkommen nach.

21. Dezember 1988: An Bord einer Boeing 747 der US-Fluggesellschaft PanAm explodiert über dem schottischen Ort Lockerbie eine Bombe. Alle 259 Insassen sowie elf Menschen am Boden werden getötet.

1990: Unter den Trümmerteilen findet sich ein Teil des Zünders sowie der Sprengstoff Semtex. Die Spur führt nach Libyen.

1991: Die USA und Großbritannien nennen zwei Agenten des libyschen Geheimdienstes als Täter und verlangen ihre Auslieferung.

1992: Die UNO fordert Tripolis im Jänner zur Zusammenarbeit bei den internationalen Ermittlungen auf. Zwei Monate später verhängt der UN-Sicherheitsrat erste Sanktionen gegen Libyen, die 1993 erweitert werden.

1998: Großbritannien und die Niederlande vereinbaren einen Prozess vor einem schottischen Gericht, aber auf dem neutralen Boden des früheren niederländischen Militärstützpunktes Camp Zeist.

1999: Libyen liefert die beiden Verdächtigen aus. Die internationalen Sanktionen werden umgehend aufgehoben; einer endgültigen Aufhebung der UN-Sanktionen wollen die USA jedoch erst nach dem Abschluss des Gerichtsverfahrens zustimmen.

3. Mai 2000: Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Attentat wird der Lockerbie-Prozess eröffnet.

31. Jänner 2001: Das Gericht verurteilt den Agenten Abdel Basset Ali el Megrahi zu einer lebenslangen Haftstrafe; der zweite Angeklagte wird freigesprochen.

2002: Ende Mai berichtet ein Anwalt der Hinterbliebenen, Libyen habe Entschädigungszahlungen in Höhe von 2,7 Milliarden Dollar vorgeschlagen.

12. März 2003: Libyen räumt nach Verhandlungen mit den USA und Großbritannien eine Teilschuld an dem Attentat ein und erklärt sich zu Entschädigungszahlungen bereit. Bis dahin hatte die Führung in Tripolis jede Verantwortung von sich gewiesen.

29. April 2003: Tripolis kündigt an, die Familien der Opfer in drei Schritten entschädigen zu wollen. Im Gegenzug sollen sämtliche Sanktionen der UNO und der USA aufgehoben werden. Zudem verlangt Tripolis, dass Washington Libyen von seiner Liste der Unterstützerstaaten von Terrororganisationen streicht.

13. August 2003: Libyen und Hinterbliebenen-Vertreter unterzeichnen in London ein Abkommen über die vereinbarten 2,7 Milliarden Dollar. (APA/AFP)

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