Plattenbau als Kunstobjekt

21. August 2003, 00:34
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Schlingensief und dreißig Mitstreiter betätigen sich im Kunstprojekt "Superumbau - die verkunstete Platte"

Hoyerswerda - Rund 30 Künstler, darunter der Theaterregisseur Christoph Schlingensief, setzen sich ab Freitag beim Projekt "Superumbau - die verkunstete Platte" in Hoyerswerda (Sachsen) mit der Bedeutung der Plattenbauten auseinander. Zentraler Ort des Geschehens ist bis 27. September eine ehemalige Kindertagesstätte in der Neustadt von Hoyerswerda. An dem Projekt beteiligen sich neben Schlingensief auch der Regisseur und Dramatiker Armin Petras sowie die Schauspielerin Bibiana Beglau ("Die Stille nach dem Schuss") .

Neben Lesungen, Inszenierungen und Installationen in der Kindertagesstätte sind auch an zentralen Plätzen der Stadt Arbeiten der beteiligten Künstler zu sehen. Parallel zu dem Projekt wird ein fünfgeschossiger Plattenbau, der an das Gelände angrenzt, dem Erdboden gleichgemacht. Auch dieser Abriss soll in "Superumbau" eingebunden werden. Die Organisatoren sprechen von einem "Kunstprojekt zur Erforschung urbanen Lebens in schrumpfenden Städten". Ziel sei es, herauszufinden, welchen Identitätsverlust die Menschen in der Neustadt erlebten und welche Potenziale für ein neues Stadtimage es gebe.

Das 1991 durch einen Brandanschlag auf ein Asylantenunterkunft negativ in die Schlagzeilen geratene Hoyerswerda leidet unter starker Abwanderung vor allem junger Menschen. Viele Wohnungen in den Plattenbauten, die in den sechziger Jahren für Arbeiter errichtet wurden, stehen leer und werden nach und nach abgerissen. Die Stadt erhofft sich von "Superumbau" Denkanstöße für den Umbau der Neustadt. Gefördert wird das Projekt unter anderem mit 75 000 Euro von der Kulturstiftung des Bundes. (APA/dpa)

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