Entführungsversuche scheiterten: Elf Jahre Haft für Steirer

16. August 2003, 19:50
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Eine Million Euro wollte ein Landwirt durch eine Entführung erpressen, um seine Frau zurückzugewinnen

Graz (APA) - Eine Million Euro wollte ein oststeirischer Landwirt durch eine Entführung erpressen. Doch zwei Versuche scheiterten an der heftigen Gegenwehr der Opfer.

Am Donnerstag wurde der 37-Jährige im Grazer Straflandesgericht von einem Geschworenensenat (Vorsitz: Ernst Schaffernak) wegen schweren Raubes und erpresserischer Entführung zu elf Jahren Haft verurteilt. Er erbat sich drei Tage Bedenkzeit, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Wolte Frau zurückgewinnen

Der Landwirt Rupert L. hatte seinen Betrieb auf Bio-Eier umgestellt, doch der erhoffte finanzielle Erfolg blieb aus. Seine Frau ließ sich scheiden, weil sie die Streitereien mit den im selben Haus lebenden Schwiegereltern nicht mehr aushielt. Um sie zurückzugewinnen, wollte L. das Haus umbauen. Das nötige Geld sollte eine Entführung liefern: Er wollte für die Freilassung einer "wohlhabenden Person aus der Gegend" eine Million Euro verlangen.

Überfall

Einen Pkw für die Entführung beschaffte er sich im Dezember des Vorjahres, indem er eine Frau in ihrem Wagen überfiel. Der Angeklagte zwang sie mit vorgehaltener Waffe, ihn zu einem Wald zu chauffieren. Dort ließ er das völlig geschockte Opfer laufen. "Ich habe befürchtet, dass ich meine Kinder nie wieder sehe oder dass er mich vergewaltigt", schilderte die Frau vor Gericht.

Versuch Bauunternehmer zu entführen

Einige Tage später wollte er einen Bauunternehmer oder dessen Frau entführen. Er versteckte seine Waffe in einer weihnachtlich verpackten Schachtel und läutete beim Haus der Familie an. Als die Frau öffnete, riss er die Waffe heraus und rief "Überfall". Sein Opfer begann zu schreien, und der Sohn des Ehepaares schlug den glücklosen Entführer in die Flucht. "Ich habe mich kaum aus dem Haus getraut, bis er gefasst war, und in der Nacht habe ich immer noch Angst", so die Zeugin.

Dritter Versuch Den dritten Versuch unternahm L. einen Monat später. Er wartete er mit einer Schreckschusspistole bewaffnet vor einer Garage auf einen Mann. Als der Hausbesitzer auftauchte, wollte er ihn fesseln. Doch auch dieser Versuch scheiterte, als sich das Opfer heftig wehrte. Dabei gingen ein paar Schüsse aus einer Schreckschusspistole los, und L. biss seinen Gegner heftig in den Finger. "Ich habe aber nie gedroht, ihm den Finger abzubeißen. Das hätte ich gar nicht können, ich hab' ja seinen Finger im Mund gehabt", meinte der Angeklagte zu seiner Rechtfertigung.

Rupert L. war nach kurzem Leugnen bald voll geständig gewesen. Mittlerweile hat er allen Opfern Entschuldigungsbriefe geschrieben und geringe Summen als Wiedergutmachung überwiesen. "Es tut mir alles so Leid", meinte er unter Tränen vor Gericht.

Die Geschworenen befanden ihn einstimmig schuldig. Die Strafe im Ausmaß von elf Jahren liegt ein Jahr über der Mindeststrafe. Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. (APA)

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