ÖVP macht Tempo bei neuem Gehaltsmodell für Lehrer

22. August 2003, 14:33
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Reform soll ab 2004 greifen: Höheres Einstiegsverdienst, aber flachere Gehaltskurve - Für SPÖ "absolut akzeptabel"

Wien- Die ÖVP macht Druck bei der Reform der Lehrerbesoldung. Schon ab 2004 sollen die Pädagogen an den allgemeinbildenden und berufsbildenden höheren Schulen (AHS, BHS) ein neues Gehaltsschema erhalten, forderte ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Eckpunkte des Modells: Neu eintretende Lehrer sollen rund 2.000 Euro monatlich und damit mehr als bisher verdienen, anschließend verläuft die Gehaltskurve dafür flacher. Die Biennalsprünge sollen abgeschafft, die Anzahl der Gehaltsstufen von 18 auf fünf bis sechs reduziert werden. Und: Jüngere Lehrer sollen länger unterrichten als ältere.

Ein fertiges Konzept für eine solche Neuregelung ist bereits im Vorjahr vom Bildungsministerium ausgearbeitet und der damals für die Beamten zuständigen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) übergeben worden. Nach den Vorstellungen von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hätte es bereits heuer in Kraft treten sollen.

Amon: Bisheriges Schema sei "unbefriedigend"

Derzeit bezieht ein junger Gymnasiallehrer am Anfang seiner Karriere (Gehaltsstufe 2) rund 1.810 Euro pro Monat, während er gegen Ende seiner Laufbahn (Gehaltsstufe 13) auf rund 3.310 Euro kommt. Diese Unterschiede hält Amon für unbefriedigend, der Unterricht der älteren Pädagogen sei nicht um so viel besser.

SPÖ-Bildungssprecher wünscht viel Glück bei Verhandlungen mit Gewerkschaft

Für "absolut akzeptabel" hält SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser die Vorschläge seines ÖVP-Pendants Werner Amon. "Wenn dies wirklich so kommen soll, dann wird es von Seiten der SPÖ keine unüberwindbaren Hürden geben", so Niederwieser in einer Aussendung am Donnerstag. Amon solle sofort mit der Gewerkschaft in Verhandlungen treten und "die Sache erledigen". Die ÖVP-Pläne seien ja nicht neu, sondern würden schon "seit Urzeiten auf dem Tisch liegen". "Viel Glück" wünschte Niederwieser bei den Verhandlungen mit der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst unter Vorsitz von Amons "Parteifreund Fritz Neugebauer".

Details der Reform

Wesentliches Element einer Reform bildet für Amon auch die Einführung einer flexibleren Lehrverpflichtung. Derzeit kämen die AHS- und BHS-Pädagogen von Anfang bis zum Ende ihres Berufslebens auf eine einheitliche Lehrverpflichtung von 20 Stunden. In einem neuen Modell sollten hingegen jüngere Pädagogen länger unterrichten müssen als ihre älteren Kollegen, da die Belastbarkeit mit zunehmenden Alter sinke. Ausnahme: Berufsanfänger sollten in den ersten zwei bis drei Jahren ebenfalls weniger in der Klasse stehen müssen, da sie noch überdurchschnittlich viel Zeit für die Vorbereitung des Unterrichts und Korrekturarbeiten aufbringen müssten.

"Mittleres Management" zur Entlastung von Direktoren und Administratoren geplant

An den Schulen will Amon außerdem eine Art "mittleres Management" einrichten, um Direktoren und Administratoren zu entlasten. Im Zuge des Ausbaus der Schulautonomie hätten die Lehranstalten zahlreiche Aufgaben von den Landesschulräten bzw. dem Ministerium übernommen wie etwa die Erarbeitung eines Schulprofils, das Controlling des Schulbudgets und die Organisation der Lehrerfortbildung.

Mit der Reform der Lehrerbesoldung plant Amon weiters eine stärkere Personalautonomie an den Schulen - diese sollten ein Mitspracherecht bei der Anstellung von Lehrern bekommen. Festhalten will der ÖVP-Bildungssprecher an einem Berufsschutz für die Pädagogen, egal ob man diesen nun Pragmatisierung oder anders nenne. Mit den Zeugnissen würden die Lehrer staatliche Gutachten und Berufsberechtigungen vergeben, daher dürften sie nicht erpressbar sein. (APA)

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