Nachbestattung in Kärnten entdeckt

19. August 2003, 15:39
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Forscher: Der Tote von Grabelsdorf ist ein hochrangiger Karantane der Zeit um 700 n.Chr.

Klagenfurt - Am Gräberfeld Grabelsdorf in Südkärnten wurde eine Nachbestattung aus dem 7. nachchristlichen Jahrhundert entdeckt. Es dürfte sich um das Grab eines hochrangigen Kriegers oder Fürsten handeln. Darauf weisen die vorgefundenen Grabbeigaben hin.

Dass sich unter dem Waldboden auf der Gracarca am Südufer des Klopeiner Sees bedeutende archäologische Überreste befinden, ist seit langem bekannt. Ihre nähere Untersuchung wurde während der vergangenen zehn Jahre in Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde St. Kanzian, dem Verein 5000 Jahre Gracarca und dem Landesmuseum Kärnten intensiv betrieben. Erst vor Kurzem konnte dieses Gebiet als Noreia, die Hauptstadt des sagenumwobenen Noricum, definiert werden.

Nachbestattung

Ziel der diesjährigen Grabungskampagne war das Friedhofsareal bei Grabelsdorf. Dort wurde bereits 1966 von F.X. Kohla auf einem exponierten Felssporn ein Grabhügel aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. (Hallstattkultur) angeschnitten. Der Leiter der nunmehrigen Grabungen, Univ. Doz. Paul Gleirscher von der Universität Klagenfurt, erklärte gegenüber dem "Österreich Journal", dass 1.500 Jahre später ein Mann in den hallstattzeitlichen Grabhügel nachbestattet wurde. Der mit cirka 1,80 Meter groß gewachsene Mann wurde laut Gleirscher nicht verbrannt, sondern körperbestattet.

Gleirscher: "Unter den Grabbeigaben fällt zunächst ein awarischer Militärgürtel auf. Er war in einer byzantinischen Werkstatt hergestellt worden, wie die massiven Riemenzungen aus Messing zeigen. Die Hauptriemenzunge ist von einem Weintraubenmotiv überzogen." Derlei Gürtel galten damals als Abzeichen hochrangiger Krieger und Fürsten. Zum einem derartigen Gürtel gehörte auch ein aus Knochen gefertigter Salzbehälter, wie er auch im Grabelsdorfer Grab zu Tage kam. Derlei Beigaben waren gang und gäbe, weshalb sie sich bestens zur zeitlichen Zuordnung eignen. Der gefundene Würdenträger von Grabelsdorf lebte demnach in der Zeit um 700 n. Chr.

Schwert und Reitersporen

Zur militärischen Ausrüstung gehört außerdem ein aufwändig gearbeitetes einschneidiges Schwert (das so genannte "Langsax"), das laut Gleirscher nicht aus dem awarisch-byzantinischem Raum, sondern aus dem merowingischen Kulturkreis, also aus Franken und Bayern, stammt. Dazu passt auch ein Reitersporn, der den Rang des Toten als Reiter oder Ritter unterstreicht. Reitersporen finden sich nie in Gräbern von Awaren und illustrieren archäologisch die Unabhängigkeit und Vielseitigkeit des Karantanenstaates.

"Das heißt, dass wir im Toten von Grabelsdorf einem hochrangigen Karantanen der Zeit um 700 gegenüberstehen", betonte Gleirscher. "Im Kärntner Raum handelt es sich um das bislang einzige vollständige Grab dieser Zeit." Inwieweit sich hinter diesem Mann ein zugewanderter Slawe oder ein im Karantanenstaat aufgestiegener Romane verbirgt, wird unter anderem durch naturwissenschaftliche Analysen zu untersuchen sein. Die Bergung des Skelettes wird kommenden Montag vorgenommen. (APA)

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