Der Fall Abdelghani Mzoudi

17. August 2003, 15:42
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Hamburg - Im zweiten Hamburger Terrorprozess um die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA steht seit Donnerstag der Marokkaner Abdelghani Mzoudi vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord in mindestens 3.066 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Im folgenden eine Chronik des Falls Mzoudi:

Frühsommer 1999: Die Studenten-Gruppe um den späteren Todespiloten Mohammed Atta, die so genannte Hamburger Terrorzelle, entschließt sich laut Anklage zur Teilnahme am Dschihad (Heiliger Krieg); es entstehen erste Pläne zu Anschlägen mit entführten Flugzeugen.

Ende November 1999: Atta, die beiden anderen Todespiloten Marwan Al-Shehhi und Ziad Jarrah, sowie der im September 2002 in Pakistan festgenommene Ramzi Binalshibh reisen nach Erkenntnissen der Ermittler in ein El-Kaida-Ausbildungslager nach Afghanistan.

Anfang 2000: Mzoudi erlaubt Atta und Alshehhi, seine Adresse in der Harburger Marienstraße zu verwenden, um - so die Schlussfolgerung der Bundesanwaltschaft - bei Nachfragen die Abwesenheit der beiden zu decken.

Ende April bis Ende Juli 2000: Mzoudi reist laut Anklage nach Afghanistan, trifft dort den im Februar 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilten Mounir El Motassadeq und den seit den Terroranschlägen flüchtigen Zakariya Essabar. Vor und nach seinem eigenen Afghanistan-Aufenthalt kümmerte sich Mzoudi der Bundesanwaltschaft zufolge um Essabars finanzielle Angelegenheiten.

Frühling 2000 bis Jahreswechsel 2000/2001: Nach ihrer Rückkehr aus Afghanistan halten sich Atta, Al-Shehhi und Jarrah zu Flugkursen in den USA auf.

Frühling 2000: Mzoudi "verschleierte" laut Anklage die Lebensverhältnisse von Binalshibh und Al-Shehhi nach deren Rückkehr aus Afghanistan bis zur geplanten Abreise in die USA und besorgte ihnen ein Zimmer in einem Wohnheim.

Mitte Dezember 2000: Essabar soll den Erkenntnissen zufolge als Ersatzpilot für Binalshibh, der kein Visum bekommen hat, in die USA reisen. Mzoudi überlässt Essabar seine EC-Karte (Bankomatkarte) zur Finanzierung des Aufenthalts, zum Jahreswechsel hebt Essabar 1.580 Mark (808 Euro) ab. Auch Essabars Antrag auf ein Visum scheitert.

11. September 2001: Terroranschläge in den USA. Mzoudi soll laut Anklage "bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden" gewesen sein.

6. Oktober 2001: Mzoudi bestreitet in einem "Spiegel Online"-Interview die Beteiligung an den Anschlägen.

Sommer 2002: Ein Zeuge bestätigt offenbar Mzoudis Aufenthalt in Afghanistan.

10. Oktober 2002: Mzoudi wird wegen Verdachts auf Unterstützung einer terroristischen Vereinigung festgenommen.

9. Mai 2003 Generalbundesanwalt Kay Nehm erhebt Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in 3.066 Fällen.

14. August 2003: Prozessbeginn. (APA/AP)

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