US-Marines landen in Monrovia

16. August 2003, 15:17
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Rebellen ziehen ab, Friedenstruppen rücken nach - IKRK: Verschlechterung der humanitären Lage wahrscheinlich

Monrovia/Nairobi - Die Ankunft der ersten US-Soldaten ist am Donnerstag von der leidgeprüften Bevölkerung der liberianischen Hauptstadt Monrovia begeistert begrüßt worden. Zugleich feierten die Menschen den Abzug der Rebellen aus dem Hafen der Stadt, so dass dort mit der Entladung von Hilfsgütern begonnen werden kann. Tausende drängten sich in den Straßen und jubelten den amerikanischen Hubschraubern zu, wie Augenzeugen berichteten. Im Laufe des Tages sollten bis zu 200 US-Soldaten von Kriegsschiffen vor der Küste in Monrovia eintreffen, um den Flughafen zu sichern.

Rebellen zweifeln nicht an ECOMIL

Mit einem weißen Tuch in der Hand und einem Handschlag übergab ein Führer der LURD-Rebellen die Kontrolle über den Hafen an die westafrikanische Eingreiftruppe ECOMIL. "Wir haben keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit der Eingreiftruppe zu zweifeln - also ziehen wir uns zurück", sagte Rebellenführer Sekou Fofana. Künftig können Hilfsgüter wieder über den Seeweg nach Liberia gebracht werden. Mehrere Schiffe von Hilfsorganisationen liegen bereits seit Tagen in Wartestellung vor der Küste.

Plünderung von Vorräten

Zahlreiche Einwohner Monrovias strömten in den bisher von Rebellen gehaltenen Stadtteil am Hafen, zu dem sie wochenlang keinen Zugang gehabt hatten. "Monrovia ist wieder vereint", freute sich ein Einwohner. Die restlichen Vorräte in den Lagerhäusern waren jedoch am Vorabend von hungrigen Massen unter den Augen der Rebellen geplündert worden. Die Rebellengruppe LURD, die für den Sturz von Ex-Präsident Charles Taylor gekämpft hatte, versprach, sich etwa 30 Kilometer aus der Stadt zurückzuziehen.

Verschlechterung der humanitären Lage befürchtet

Hilfsorganisationen befürchten trotz allem zunächst eine Verschlechterung der humanitären Lage. Das größte Problem sei die Logistik, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Es gebe in Monrovia kaum funktionstüchtige Lastwagen. Zudem breiteten sich weiter Malaria, Cholera und Durchfallerkrankungen aus. "Es gibt keine Medikamenten und kein medizinisches Personal", sagte der Sprecher.

Auch die SOS-Kinderdörfer verstärken ihre Hilfe für die Menschen in Liberia. In Monrovia werde eine weitere Krankenstation für Kinder eingerichtet, teilte die Hilfsorganisation in München mit. Derzeit haben mehr als 5.000 Menschen im SOS-Kinderdorf in Monrovia Zuflucht gefunden. Die Organisation World Vision schätzt die Zahl der Vertriebenen auf eine Million.

Blah zu Friedensgesprächen in Accra

Der neue Präsident Moses Blah ist unterdessen in der ghanesischen Hauptstadt Accra eingetroffen, wo er an den Friedensgesprächen für sein Land teilnehmen will. Die Unterzeichnung eines Abkommens für eine Übergangsregierung hatte sich verzögert, weil die kleinere Rebellengruppe Model neue Machtansprüche erhob. Blah soll bis Oktober im Amt bleiben und dann von einer neutralen Übergangsregierung abgelöst werden. Die Rebellen lehnen ihn ab, weil sie ihn für eine Marionette des nun im Exil lebenden Ex-Präsidenten Taylor halten. (APA/dpa)

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CNN

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    Eine "schnelle Reaktionstruppe" soll die humanitäre Versorgung der Bevölkerung sicher stellen.

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