Afolabi spielt sich in den Mittelpunkt

25. August 2003, 14:17
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Der nigerianische Verteidiger war gegen Marseille mit Abstand Austrias Bester und wurde von den Fans als einziger Spieler gefeiert

Wien - Wenn es am Mittwoch im Wiener Happel-Stadion einen violetten "Sieger" gab, dann war dies Rabiu Afolabi. Die rund 28.000 Fans der Wiener Austria feierten den Verteidiger trotz der 0:1-Niederlage im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Olympique Marseille mit stürmischen "Afolabi"-Sprechchören. Zurecht, denn am Nigerianer ist es am wenigsten gelegen. Und der 23-Jährige macht den "Veilchen"-Anhängern auch noch für das Rückspiel am 27. August in Südfrankreich Mut: "Marseille ist eine sehr gute Mannschaft, aber keine außergewöhnliche."

Kampfkraft, Technik, Schnelligkeit

Afolabi, der seit seinem Austria-Debüt am 12. Juli im Supercup gegen den FC Kärnten (2:1) konstant stark agiert, überzeugte neuerlich mit Kampfkraft, feiner Technik, Schnelligkeit und Zuverlässlichkeit. Sein Stellungsspiel - er scheint Pässe magisch anzuziehen - ist vom Feinsten, sein Zweikampfverhalten ebenso beeindruckend. Die ZuseherInnen im Happel-Stadion konnten keinen verlorenen Zweikampf des Nigerianers beobachten - Ausnahmen mögen die Regel bestätigen. Mit den Tugenden eines modernen Abwehrspielers stellte der neue Publikumsliebling die Marseille-Offensivkaliber Ahmed Hossam "Mido" und später auch Didier Drogba relativ mühelos kalt. Angst vor großen Namen kennt der sechsfache nigerianische Teamspieler ohnehin nicht. "Wieso auch? Unsere Gegner sind auch nur Menschen", meinte Afolabi, der derzeit eifrig Deutsch lernt.

"Jeder hier in Wien ist mein Freund"

Momentan steht Afolabi, der in seiner Heimat in sämtlichen Nachwuchs-Teamauswahlen kickte, nicht im Aufgebot von Nigeria, das könnte sich aber rasch ändern. "Wenn der Teamchef anruft, bin ich zur Stelle", meinte Afolabi, der sich in Wien sehr wohl fühlt: "Jeder hier in Wien ist mein Freund." Und möglicherweise ist Afolabi noch zu weiteren Leistungssteigerungen fähig. "Ich steigere mich mit dem Level des Gegners."

Von Standard Lüttich gekommen

Der Transfer Afolabis vom belgischen Klub Standard Lüttich nach Wien-Favoriten war von Ex-Sportdirektor Peter Svetits und Ex-Trainer Christoph Daum im Winter 2002 eingefädelt und am 31. Dezember des Vorjahres unter Dach und Fach gebracht worden. Ein Wechsel bereits vor dem Frühjahrsstart scheiterte an den hohen Forderungen der Belgier, in deren Reihen der Afrikaner fortan einen relativ schweren Stand hatte. Denn da sein Wechsel zur Austria besiegelt war, musste Afolabi mit den Standard-Amateuren vorlieb nehmen.

Vertrag bis 2006

Der nunmehrige Fenerbahce-Chefcoach Daum hatte Afolabi bereits in seiner Leverkusener Zeit zu sich holen wollen, nun kann sich die Austria glücklich schätzen, ihn im Aufgebot zu haben. Die gute Nachricht für die Anhänger: Afolabis Vertrag in der Bundeshauptstadt läuft noch bis 2006.

Svetits beeindruckt

Austrias Ex-Sportdirektor Svetits war von "seiner" Verpflichtung beeindruckt, aber nicht überrascht: "Das ist genau das, was ich erwartet habe. Für mich ist er der derzeit beste Verteidiger im deutschsprachigen Raum." Svetits, der am Mittwoch im Stadion anwesend war, glaubt, dass die Austria mit dem Nigerianer noch viel Geld verdienen wird: "Ich schätze seinen Marktwert auf 15 bis 20 Millionen Euro."

"Kein Kommentar" von Svetits zur Aufstellung

Von der Leistung der Violetten gegen Marseille war Svetits schwer enttäuscht. "Das war leider ein rabenschwarzer Tag. Von den Fans ist aber auch zu wenig Unterstützung gekommen, die haben sofort gepfiffen", meinte Svetits, dem zur überraschenden Aufstellung von Trainer Joachim Löw nur "Kein Kommentar" zu entlocken war.(APA)

  • Wohin der Ball auch kommt, Afolabi ist immer als Erster dort.

    Wohin der Ball auch kommt, Afolabi ist immer als Erster dort.

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