Forschung zur Krebsimpfung in Wien

20. August 2003, 12:20
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Im Tierversuch werden Mimotope gegen schwarzen Hautkrebs getestet

Wien - Obwohl Wissenschafter immer wieder vor überzogenen Hoffnungen bei der Entwicklung von Krebs-Impfstoffen warnen, schreitet die Entwicklung langsam und Schritt für Schritt voran. Wiener Forscher der Firma "Biolife Science" gehen dabei eigene Wege, sie wollen die körpereigene Abwehr mit so genannten Mimotopen gegen die Tumoren anregen. Bei Melanomen sind die Wissenschafter bereits im Stadium von Tierversuchen.

Antikörper-Methode

Bisherige Krebsimpfungen beruhen meist darauf, dass dem Patienten Antikörper gegen seinen Krebs gespritzt werden. Breite Anwendung findet bisher "Herceptin" gegen Brustkrebs. Die injizierten Antikörper docken an einen Rezeptor für einen Wachstumsfaktor an den Krebszellen an und verhindern so die Wirkung des Wachstumsfaktors. In Kombination mit herkömmlicher Chemotherapie führt "Herceptin" bei einem Teil der Patientinnen zu einem Rückgang des Krebswachstums.

Während die Antikörper-Methode eine Art passiver Impfung darstellt, wollen die Wiener Forscher die ganze Palette des menschlichen Immunsystems gegen die Krebszellen scharf machen. Dazu setzen die Forscher ebenfalls Antikörper ein, aber nur um geeignete Antigene auf den Krebszellen zu suchen. Antigene sind jene Strukturen auf der Oberfläche von Zellen, an denen die Antikörper - nach dem Schlüssel/Schloss-Prinzip - andocken.

Mimotop-Prinzip

Ist ein geeignetes Antigen aufgespürt, gilt es, ein einfaches Peptid (eiweißähnlicher Stoff, Anm.) zu finden, das die gleiche Struktur hat wie das Antigen. Das Peptid hat meist einen völlig anderen chemischen Aufbau, nur die dreidimensionale Struktur muss gleich oder wenigstes ähnlich sein. Das Peptid imitiert gleichsam das Antigen und wird deshalb Mimotop genannt. Es wird in Folge an ein Trägermolekül angehängt und dem Patienten gespritzt.

Im Körper produziert das Immunsystem dann eine breit gefächerte Immunantwort gegen die Mimotope und somit auch gegen die Struktur-identen Antigene auf den Tumorzellen. Bisher haben die Forscher von "Biolife Science" vier Kandidaten für Mimotope ausfindig gemacht, am weitesten ist eine mögliche Therapie des malignen Melanoms, des schwarzen Hautkrebs, gediehen. "In der Zellkultur konnten wir das Tumorwachstum stoppen, derzeit laufen Tierversuche", sagte Wissenschafter Otto Scheiner, Professor am Wiener AKH.

Derzeit in Prüfung

Sowohl bei Hautkrebs als auch bei Brustkrebs, den beiden Schwerpunkten der Tätigkeit von "Biolife Science", sind die Mimotop-Konzepte derzeit in Prüfung. Neben dem Abschluss von Labor- und Tierversuchen wurden mittlerweile auch Patente angemeldet. Die Forscher wollen nun mit industriellen Partnern demnächst das Konzept in der Klinik an Patienten überprüfen.

Mitgetragen werden die Untersuchungen vom Forschungsföderdungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF), der auch weitere Unterstützung ankündigte. "Es handelt sich einerseits um grundlegende Forschung, die jedoch einen klaren wirtschaftlichen Fokus hat und so für den Wirtschafts- und Technologiestandort Österreich einen wesentlichen Beitrag leistet", hieß es dazu seitens des Fonds. (APA)

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    Forschung zu Krebs-Impfstoffen: Am weitesten ist eine mögliche Therapie des malignen Melanoms, des schwarzen Hautkrebs, gediehen.

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