Geschädigte Korallenriffe

16. August 2003, 12:00
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Forscher: Bis 2030 könnten 60 Prozent der riesigen, artenreichen Ökosysteme vernichtet sein

Washington - Die Korallenriffe der Erde gehen dramatisch zurück. Ein Drittel ist bereits ernsthaft geschädigt, warnen mehrere Forschergruppen im US-Fachmagazin "Science" vom Freitag. Bis zum Jahr 2030 könnten 60 Prozent der riesigen, artenreichen Ökosysteme vernichtet sein. Wenn sich das Blatt überhaupt noch wenden soll, muss der weltweite Schutz der Riffe auf eine ganz neue Basis gestellt werden, schreibt Terry Hughes vom Centre for Coral Reef Biodiversity im australischen Townsville (Bd. 301, S. 929).

Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe fordert er, 30 Prozent der Riffe zu Reservaten zu machen. Solche "Tabuzonen" seien der denkbar effektivste Schutz, weil sich das Leben in solchen Refugien stabilisieren und von dort aus die Umgebung wiederbesiedeln könne. Korallenriffe werde von winzigen Hohltieren aufgebaut, deren kleine Skelette sich in tausenden von Jahren zu riesigen Kalk-Riffen türmen.

Karibik schwer getroffen

Unter anderem schwer getroffen ist die gesamte Karibik. Die Arbeitsgruppe um Toby Gardner von der School of Biological Sciences in East Anglia (Großbritannien) beziffert den Verlust der Korallen dort auf bis zu 80 Prozent in den vergangenen 30 Jahren ("Science", S. 958). "Obwohl sich die Verlustrate im vergangenen Jahrzehnt etwas verlangsamt hat, hält der Trend an", schreiben die Forscher. Damit seien die Riffe der Region bereits so weit geschwächt, dass sie sich auf künftige Veränderungen der Umwelt womöglich gar nicht mehr einstellen könnten.

Die rücksichtslose Ausbeutung der Riffe, vor allem durch die Überfischung und die damit verursachte Verzerrung der komplexen marinen Lebensgemeinschaften, ist jedoch keine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. "Die meisten Riff-Ökosysteme wurden bereits vor 1900 substanziell degeneriert", berichtet Korallenexperte John Pandolfi (S. 955).

Ökologische Geschichte untersucht

Sein Team hatte die ökologische Geschichte von 14 über die ganze Welt verteilten Riffregionen untersucht. Die darin lebenden Tiere und Pflanzen unterteilten die Forscher für ihre Studie in sieben Gruppen, darin unter anderem Seegräser, Planktonfiltrierer sowie große und kleine Raubfische. Das Ergebnis: Alle diese Gruppen leiden bereits, seit der Mensch vor Jahrtausenden aufgetaucht ist. (APA/dpa)

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    Die Korallenriffe der Erde sind bedroht. Forschern zufolge muss der weltweite Schutz der Riffe auf eine ganz neue Basis gestellt werden.

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