Rezession: Europa in der Wirtschaftskrise

18. August 2003, 16:13
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Euroland stagniert, Deutschland und Italien formal in Rezession - EU-Kommission zeigt sich jedoch optimistisch

Luxemburg/Brüssel - Im Euroland ist in den vergangenen Monaten die Rezession auf dem Vormarsch gewesen. In Deutschland und Italien, beides Kernländer der Eurozone, schrumpfte die Wirtschaft in zwei Quartalen hintereinander, berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg in einer Schätzung zum zweiten Vierteljahr 2003. Die Niederlande verblieben in der Rezession, die schon Ende vergangenen Jahres eingesetzt hatte.

In Deutschland wollten allerdings die meisten Volkswirte vor allem angesichts des geringen Rückgangs nicht von einer Rezession sprechen, wie es eine gängige Definition vorsieht.

"Das sind keine guten Zahlen"

Im Euroland mit 12 Mitgliedern sowie in der gesamten EU mit 15 Staaten stagnierte die Wirtschaft von April bis Ende Juni im Vergleich zu den drei Vormonaten mit einer Rate von 0,0 Prozent. Für Deutschland betrug die Rate minus 0,1 Prozent nach minus 0,2 Prozent zuvor. Vor allem im angelsächsischen Raum, aber auch auf EU-Ebene sprechen viele Ökonomen von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei Quartalen im Folge abnimmt.

"Es ist deutlich: Das sind keine guten Zahlen", kommentierte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel. Die Entwicklung sei aber erwartet worden. In der Tat hatte EU-Währungskommissar Pedro Solbes schon Anfang April davor gewarnt, Deutschland stehe am Rande einer Rezession.

Kein Aufschwung 2003

Bis zum Jahresende ist in der Eurozone laut einer aktuellen Prognose der EU-Behörde nicht mehr mit einem deutlichen Aufschwung zu rechnen. Brüssel rechnet für das dritte Quartal mit einem Wachstum in der Spanne von 0,0 bis 0,4 Prozent, für das vierte Quartal in der Spanne von 0,2 bis 0,6 Prozent.

Die Kommission ist allerdings für das Schlussquartal 2003 etwas optimistischer als noch vor zwei Monaten. Die Zuversicht im Einzelhandel dürfte sich verbessern, schrieb die Behörde. Im Gesamtjahr soll die Wirtschaft um etwa 0,7 Prozent wachsen, im kommenden Jahr um etwa 2,3 Prozent, hatte Solbes im Juli gesagt.

Niederlande steht am schlechtesten da

Am schlechtesten in der Eurozone standen in den vergangenen Monaten die Niederlande da. Das dortige BIP verschlechterte sich im zweiten Vierteljahr um 0,5 Prozent nach minus 0,3 (1. Quartal 2003) und minus 0,2 Prozent (4. Quartal 2002). In Italien schrumpfte die Wirtschaft gegenüber der Vorperiode mit einer stabilen Rate von minus 0,1 Prozent.

Für Finnland, dessen Wirtschaft im ersten Quartal um 1,2 Prozent zurückgegangen war, lag für die Folgeperiode noch keine aktuelle Zahl vor. Andere Länder der Eurozone sind derzeit nicht rezessionsgefährdet. Portugal war bereits im vergangenen Jahr in eine Rezession gestürzt; die Wirtschaft dort legte aber zu Jahresbeginn 2003 wieder minimal zu. Eine Angabe für das zweite Quartal fehlte ebenfalls. Die Wirtschaft der Eurozone war im ersten Vierteljahr noch minimal um 0,1 Prozent gewachsen.(APA/dpa)

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