Libyen entschädigt Lockerbie-Opfer

15. August 2003, 16:20
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Fonds mit 2,7 Milliarden Dollar dotiert - Voraussetzung für Aufhebung der UNO-Sanktionen

New York - Knapp 15 Jahre nach dem Anschlag von Lockerbie hat sich die libysche Regierung mit den Hinterbliebenen auf die Einrichtung eines Entschädigungsfonds verständigt. Ein entsprechendes Abkommen wurde am Mittwoch nach elfstündigen Verhandlungen in New York unterzeichnet, wie Anwälte der Hinterbliebenen mitteilten. Der Fonds solle insgesamt 2,7 Milliarden Dollar (2,39 Mrd. Euro) umfassen und umgehend eingerichtet werden. Die Einigung gilt als wichtigste Voraussetzung für die Aufhebung der UNO-Sanktionen gegen Libyen.

Die libysche Regierung erklärte, sie habe mit der Vereinbarung die Bedingungen des UNO-Sicherheitsrats für ein Ende der internationalen Sanktionen erfüllt. Voraussetzung war demnach zum einen die Zahlung von Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Opfer, zum anderen die Verurteilung des Terrorismus. Außerdem musste Tripolis die Verantwortung für den Anschlag auf eine Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie übernehmen, bei dem im Dezember 1988 alle 259 Insassen und elf Menschen am Boden ums Leben kamen.

"Teilschuld" übernommen

Die Aufhebung der Sanktionen könnte nach Angaben von UNO-Diplomaten bereits am Freitag eingeleitet werden. Einen entsprechenden Resolutionsentwurf soll demzufolge Großbritannien vorlegen.

Mit den Sanktionen erhöhte der Weltsicherheitsrat 1992 den Druck auf Libyen, die mutmaßlichen Lockerbie-Attentäter auszuliefern. Die Strafmaßnahmen schließen ein Verbot von Waffenexporten nach Libyen und den Stopp von Flugverbindungen ein. Nach der Auslieferung eines verdächtigen libyschen Geheimagenten wurden die Sanktionen auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der Angeklagte wurde 2001 von einem schottischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt, ein zweiter Libyer wurde freigesprochen. Inoffiziell hatte Libyen bereits im Frühjahr eine "Teilschuld" an dem Anschlag übernommen. Eine formelle Einigung wurde bisher aber nicht unterzeichnet. (APA/AP/Reuters)

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    Ein rekonstruierter Teil der Reste der Pan Am Boeing 747.

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