UNO setzt Tschetschenen-Rebellen auf Schwarze Liste

16. August 2003, 15:51
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Am Mittwoch wurden fünf russische Soldaten bei Bombenanschlag getötet - Detonation unter Truppentransporter

New York/Moskau - Der UNO-Sicherheitsrat hat am Donnerstag den tschetschenischen Rebellenführer Schamil Basajew auf eine Schwarze Liste jener Gruppen und Personen gesetzt, die wegen Kontakten zur Extremistenorganisation El Kaida international geächtet werden sollen.

Mit der Entscheidung werden die 191 UNO-Mitglieder aufgefordert, Guthaben Basajews zu sperren, die Sammlung von Geld und den Erwerb von Waffen durch ihn zu unterbinden und ihn an Reisen zu hindern.

Russland begrüßt Entscheidung

In Russland wurde die Entscheidung ausdrücklich begrüßt. Vizeaußenminister Juri Fedotow sagte: "Dies ist ein Zeichen dafür, dass die internationale Gemeinschaft immer mehr die Gefahr sieht, die von den Rebellen in Tschetschenien ausgeht." Das US-Außenministerium hatte bereits am vergangenen Freitag beantragt, alle möglicherweise in dem Land befindlichen Guthaben Basajews zu sperren und die meisten Geschäfte mit ihm zu verbieten.

Nach Angaben des Ministeriums hatte Basajew sich zu der Geiselnahme in einem Moskauer Theater im Oktober 2002 bekannt. Die USA betrachteten ihn als Person, die "an der Planung und Ausführung terroristischer Akte" beteiligt gewesen sei. Die USA hätten die UNO aufgefordert, Maßnahmen gegen Basajew zu ergreifen, weil er vermutlich Kontakte zur El Kaida habe. Die El Kaida und deren Chef Osama bin Laden gelten als Attentäter der Anschläge von 11. September 2001 in New York und Washington.

Bombenanschlag

In Tschetschenien sind am Mittwoch bei einem Bombenanschlag Medienberichten zufolge fünf russische Soldaten getötet worden. Die Bombe sei bei Vedeno südöstlich der Hauptstadt Grosny unter einem gepanzerten Truppentransporter detoniert, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf russische Militärkreise in Tschetschenien. Drei weitere Soldaten seien verletzt worden. Die Bombe sei per Fernsteuerung gezündet worden. Sicherheitskräfte suchten nach den Angreifern.

Obwohl fast täglich russische Soldaten und Polizisten durch Angriffe tschetschenischer Rebellen getötet werden, verweigert die Regierung in Moskau Gespräche mit den separatischen Anführern. Sie hält an einem Friedensplan fest, der für den 5. Oktober eine regionale Präsidentenwahl vorsieht.

Die Föderationsrepublik Tschetschenien betrachtet sich seit 1991 als unabhängiger Stadt. Russland war es im ersten Tschetschenien-Krieg 1994 bis 1996 nicht gelungen, die Kontrolle über die Republik im Kaukasus wiederzuerlangen. Während der faktischen Unabhängigkeit Tschetscheniens wurde Aslan Maschadow zum Präsidenten gewählt, mit Beginn des zweiten Tschetschenien-Krieges 1999 aber von Russland entmachtet.

Im Kampf für die Unabhängigkeit setzen die Rebellen Selbstmordattentäter innerhalb und außerhalb von Tschetschenien ein. Im vergangenen Monat töteten zwei Selbstmordattentäterinnen bei einem Rockkonzert in Moskau 15 Menschen. Im Oktober 2002 hatten tschetschenische Rebellen mehrere Tage lang mehr als 700 Menschen in einem Moskauer Theater festgehalten. Bei der Erstürmung des Gebäudes durch Sicherheitskräfte starben fast 130 Geiseln und rund 40 Geiselnehmer. (APA/Reuters)

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