Salzburger Krankenkasse: "Mundhygiene dringender als Zahnspangen"

17. Februar 2014, 19:31
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Salzburger Krankenkasse hat wenig Verständnis für Regierungspläne

Salzburg - Die von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) forcierte und vergangene Woche von den Regierungsparteien paktierte Gratiszahnspange für alle unter 18 stößt nicht überall auf Zustimmung. "Wesentlich dringender wäre eine Ausweitung der Mundhygiene", sagt der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK), Andreas Huss.

Huss argumentiert mit der Kariesrate. Bei den unter 18-Jährigen liege diese in Österreich zwischen 40 und 50 Prozent. In Schweden etwa, das eine weit bessere Prophylaxeversorgung aufweise, hätten nur rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen Karies.

Allfällige zusätzliche Kosten für die SGKK befürchtet Obmann Huss nicht. Schon jetzt würden für festsitzende Spangen 333 Euro pro Behandlungsjahr und für herausnehmbare Spangen 417 Euro pro Jahr von der Krankenkasse bezahlt. Vorausgesetzt es handelt sich um medizinisch notwendige Zahnspangen.

Huss: "Überschaubarer Rahmen"

Da auch das Modell der Bundesregierung nur für medizinisch erforderliche Regulierungen gelte, werde sich der Anstieg auf jene "Dunkelziffer" beschränken, die derzeit aus Kostengründen auf Zahnspangen ganz verzichten. Huss spricht von einem "überschaubaren Rahmen". Derzeit finanziert die Salzburger Kasse 5583 Zahnspangen mit.

Die positiv wirtschaftende SGKK - 2013 wird ein Überschuss von 14,6 Millionen Euro erwartet - plant, über Zuschüsse aus dem Unterstützungsfonds wirtschaftlich schwächeren Familien einen Zugang zur Mundhygiene zu ermöglichen. Darüber hinaus sollen in den Kassenambulatorien vier zusätzliche Hygieneplätze eingerichtet werden.

Konflikt mit Zahnärzten

In Sachen Zahngesundheit steuert man in Salzburg auf einen veritablen Konflikt mit der Zahnärztekammer zu. Die SGKK plant den Ausbau des auf alle Bezirke verteilten Zahngesundheitszentrums von derzeit 21 auf 31 Behandlungsstühle. Die Nachfrage steige enorm an, argumentiert Huss. 2013 erfolgten rund 70.000 Behandlungen bei 22.000 Patienten. Die Wartezeit für neue Patienten betrage aktuell rund sechs Monate.

Bis es so weit ist, muss aber noch eine Bedarfsprüfung durch die Landesregierung erfolgen und müssen mit der Zahnärztekammer Verhandlungen geführt werden. Die Zahnärzte haben freilich wenig Freude mit der potenziellen "Konkurrenz". Die Stadt Salzburg sei mit 110 Zahnärzten "überversorgt", sagt Kammerchef Martin Hönlinger im Standard-Gespräch. Das Argument von Huss, Wahlzahnärzte wären für Einkommensschwächere keine Option, lässt er nicht gelten. Dass derzeit nur 61 Zahnärzte einen Kassenvertrag haben, liege an der SGKK. Hönlinger schlägt vor, statt dem Ambulatorium zehn weitere Kassenverträge für niedergelassene Zahnärzte abzuschließen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 18.2.2014)

 

  • Prophylaxe und Mundhygiene sind immer noch die besten Methoden, den Zahnarzt kurz und schmerzlos zu absolvieren.
    foto: apa

    Prophylaxe und Mundhygiene sind immer noch die besten Methoden, den Zahnarzt kurz und schmerzlos zu absolvieren.

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