Klappmaul schlägt Manieren: "Karlsson vom Dach"

17. Februar 2014, 18:15
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Als ein Mann in seinen besten Jahren oder schlicht "der beste Karlsson der Welt in jeder Weise" stellt sich Astrid Lindgrens Störenfried vor

So leicht wie Pippi Langstrumpf oder Michel aus Lönneberga lässt sich Astrid Lindgrens feister Karlsson vom Dach, der derzeit im Wiener Theater der Jugend sein Unwesen treibt, nicht ins Herz schließen. Schließlich ist er egoistisch, verfressen, völlig manierenbefreit - und dann noch nicht einmal ein Kind!

Als ein Mann in seinen besten Jahren oder schlicht "der beste Karlsson der Welt in jeder Weise" stellt sich der Störenfried vor, als er mithilfe eines Propellers in das Zimmer des siebenjährigen Svante (Stefan Rosenthal) geflogen kommt. Dieser Svante ist wiederum der normalste Bub, den man sich vorstellen kann. Von allen nur Lillebror, "kleiner Bruder", genannt, wünscht er sich nichts mehr als einen Hund und etwas mehr Aufmerksamkeit. Zumindest Letzteres beschert ihm die Freundschaft mit Karlsson, auch wenn dieser von allen nur für eine Erfindung Lillebrors gehalten wird.

Tatsächlich umgibt den fliegenden Quälgeist ein Hauch des Unerklärten und damit auch Unheimlichen. Die Inszenierung von Gerald Maria Bauer im Renaissancetheater unterstreicht dies, indem sie Karlsson als Puppe auf die Bühne lässt (Bau: Julia-Elisabeth Beyer, Führung: Richard Panzenböck). Mit seinen großen starren Augen und einer aus dem Off quäkenden Stimme (Simon Jaritz) ist er so schräg wie das an ein aufgeklapptes Buch erinnernde Bühnenbild (Sam Madwar). Seine Streiche machen den Zuschauern ab sechs Jahren dennoch Spaß.

Der Schwarm von Lillebrors Schwester, zwei Einbrecher und die hantige Haushälterin - sie alle schlägt Karlsson in die Flucht. Diese aus den ersten beiden Karlsson-Büchern übernommenen Territorialkämpfe reihen sich gleichberechtigt aneinander. Wer da einen größeren Spannungsbogen vermisst (die Fassung stammt vom Regisseur selbst), für den hält Karlsson seine bei drohender Kritik erprobte Standardaussage bereit: "Das stört keinen großen Geist." (wall, DER STANDARD, 18.2.2014)

Vorstellungen bis 9. 3. im Renaissancetheater, Wien.

  • Alles ganz normal: Mama und Papa (Pia Baresch, Christian Graf) mit Lillebror (Stefan Rosenthal).
    foto: rita newman

    Alles ganz normal: Mama und Papa (Pia Baresch, Christian Graf) mit Lillebror (Stefan Rosenthal).

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