Die Peugeots waren zu gute Patrioten

17. Februar 2014, 17:41
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Die Peugeot-Familie wird nach 200-jähriger Herrschaft zum dritten Rad am Wagen degradiert - mit 14 Prozent Anteil

Bei PSA Peugeot Citroën bleibt kein Stein auf dem anderen. Nach Millionenverlusten und einer Absatzkrise ohnegleichen hat der französische Autobauer bereits Fabriken geschlossen und 10.000 Stellen abgebaut. Konzernchef Philippe Varin wird durch Ex-Renault-Vize Carlos Tavares schneller als geplant ersetzt. Die einzige noch rentable Sparte, die für die Kreditvergabe wichtige PSA Banque, dockt bei der spanischen Banco Santander an.

Vor allem muss der Aufsichtsrat am Dienstag eine gewaltige Kapitalerhöhung von mehr als drei Milliarden Euro beschließen. Der staatliche chinesische Hersteller Dongfeng und die französische Regierung werden frisches Geld einschießen. Im Gegenzug erhalten sie je 14 Prozent des Kapitals. Die Peugeot-Familie wird ebenfalls noch 14 Prozent halten - nicht einmal die Hälfte der heutigen Stimmrechte von 38 Prozent (bei einem Kapitalanteil von 25,3 Prozent). Der größte und traditionsreichste Autobauer Frankreichs kommt damit mehr als zwei Jahrhunderte nach seiner Gründung in neue Hände. Geben die Aktionäre im Mai ihr Plazet, haben nicht mehr die Peugeots, sondern Staatsfunktionäre das Sagen.

Eine Revolution

Die Revolution ereilt damit eine Herrscherdynastie in der achten Generation. Der erste der Peugeots, Jean-Pierre, hatte im 18. Jahrhundert im französischen Jura eine Färberei aufgebaut. 1810 verwandelte sein Sohn die Mühle in ein Stahlwerk. Auch Kaffeemühlen, Korsette oder Federn für Schweizer Uhrmacher wurden unter dem Löwenlogo hergestellt.

1889 baute der erfinderische Armand Peugeot einen Motor und darum herum ein Gefährt mit vier Rädern, "automobile" genannt. Das sorgte für einen ersten Familienstreit über die Ausrichtung des Unternehmens. Erst 1910 setzte sich die Autosparte bei den Peugeots endgültig durch.

Bald blühte das Geschäft der diskreten Hugenotten aus Ostfrankreich. Seitdem der vierjährige Spross Eric 1960 entführt wurde und gegen Lösegeld freikam, haben die Peugeots kein einziges Familienbild mehr öffentlich gezeigt. Als gute Protestanten zeigen sie auch ihren Reichtum nicht; die Kinder - heute etwa fünfzig, schätzt man, gehen in die normale Staatsschule und erhalten die Losung eingebläut: "Unser Name verleiht mehr Pflichten als Rechte." 2002 starb Familienvorsteher Pierre Peugeot, ohne Testament. Die Nachfolge wurde im Stillen geregelt - der Keim für die heutigen Schwierigkeiten.

Zwei Peugeots erhoben Anspruch auf das Szepter: Thierry, der älteste Sohn des Patriarchen, ein schweigsamer, ängstlicher Charakter, der sich gern aufs Familiengut im Jura zurückzieht - und Robert, Großwildjäger und Ferrari-Liebhaber, der in Paris verkehrt und sich nach neunjähriger Ingenieurtätigkeit im Konzern als "natürlicher" Patron wähnte.

Stammhalter

Die Familie befolgte aber das eherne Stammhalterrecht und machte Thierry zum Präsidenten des Aufsichtsrates. Der flamboyante Robert wurde mit der konzerneigenen Finanzgesellschaft FFP abgespeist. Er hatte mit teilweise gewagten Einsätzen in Hedgefonds viel Erfolg - doch er lieh dem Mutterhaus PSA wenig Geld. Das ist mit ein Grund, dass Thierry Peugeot zuerst GM und heute Dongfeng sowie den französischen Staat an Bord holen musste. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, 18.2.2014)

  • Da sie zu lange zuwarteten, müssen die Peugeots die Macht nun teilen, wenn nicht gar aufgeben.
    foto: reuters/china daily

    Da sie zu lange zuwarteten, müssen die Peugeots die Macht nun teilen, wenn nicht gar aufgeben.

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