Anklagen gegen Zinskartell

17. Februar 2014, 17:36
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Drei Ex-Banker der britischen Barclays werden im Libor-Skandal belangt. Weitere Klagen könnten folgen

London – Die britischen Behörden weiten ihre Untersuchung im Zinsskandal kräftig aus. Die Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsfälle (SFO) hat am Montag strafrechtliche Anklagen gegen drei Ex-Banker der Großbank Barclays erhoben. Die drei sollen zwischen Juni 2005 und August 2007 zusammen den Interbanken-Referenzzins Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben, meldete die SFO am Montag. Medien berichten zudem, dass noch weitere Händler in den kommenden Tagen angeklagt werden könnten.

Am Referenzzins Libor hängen nicht nur viele Einlagen- und Kreditzinsen, sondern auch komplexe Zinswetten. Bankenhändler und Broker sollen den Libor manipuliert haben, um Gewinne einzustreifen. Der Libor wird für verschiedene Laufzeiten und Währungen mithilfe einer Umfrage unter Banken ermittelt. Diese geben an, zu welchen Konditionen sie sich finanzieren können.

Die britische Barclays hatte im Juli 2012 im Zusammenhang mit der Manipulationsaffäre einer Vergleichszahlung von rund 330 Millionen Euro zugestimmt. In den Skandal sind zahlreiche Großbanken verwickelt. So musste auch die Deutsche Bank, die Schweizer UBS, die Royal Bank of Scotland und die niederländische Rabobank hohe Summen zahlen – die Bankchefs von Rabobank und Barclays mussten zudem gehen. Zehn Banken und Broker mussten mittlerweile sechs Milliarden Dollar Strafe zahlen, wenn man den Kartellfall des Euribor mitrechnet (umgerechnet 4,38 Mrd. Euro).

Das Financial Stability Board, eine internationale Aufsichtsbehörde, hat erst am Freitag angekündigt, dass es Alternativen zum manipulationsanfälligen Libor und anderen kurzfristigen Interbankenzinsen erarbeitet wird. Leiter der Gruppe ist Martin Wheatley, Chef der britischen Finanzaufsicht FSA. Geht es nach dem Briten, gibt es noch einen anderen, "genauso schlimmen" , Skandal. Das sagte er jüngst über den Skandal manipulierter Währungskurse, der aktuell von Ermittlern weltweit aufgerollt wird und zu Entlassungen von Buenos Aires bis Tokio geführt hat. Analysten rechnen, dass die Strafen hier deutlich höher ausfallen könnten.

Denn der Devisenmarkt stellt alle anderen Finanzmärkte ohne Probleme in den Schatten. Das tägliche Volumen beträgt knapp vier Billionen Euro. "Die Untersuchung ist ein Ungetüm" , zitiert die Financial Times den Europa-Chef für die Abteilung Financial Services beim Wirtschaftsprüfer KPMG. Das liegt nicht nur an der schieren Größe. Erste Verdachtsmomente von Manipulationen gibt es sowohl in Nischen des Devisenmarktes, wie dem Handel mit dem mexikanischen Peso, aber genauso bei bekannten Währungspaaren wie Euro/Dollar. Auch in diesem Fall ermitteln die Behörden in umtriebigen Chatrooms, etwa mit dem Beinamen "Cartel" , in dem Händler großer Banken kommuniziert haben. Der Name ist Programm, denn gerade vier Institute machen 50 Prozent des Devisenhandels aus.

Neun Banken haben bereits Konsequenzen gezogen und insgesamt 21 Händler gefeuert oder suspendiert. Zuletzt hat Ben Laws­ky, ein New Yorker Staatsanwalt, bei zwölf Banken Ermittlungen eingeleitet. Im August 2012 hat er der britischen Bank Standard Chartered einen Vergleich über 340 Mio. Dollar wegen Geldwäsche abgerungen. (sulu, DER STANDARD, 18.2.2014)

 

  • Im Sommer 2012 schützten Polizisten einzelne Filialen der britischen Bank Barclays gegen auf­gebrachte Demonstranten. Nun ermitteln Strafverfolgungsbehörden gegen Ex-Banker.
    foto: reuters/olivia harris

    Im Sommer 2012 schützten Polizisten einzelne Filialen der britischen Bank Barclays gegen auf­gebrachte Demonstranten. Nun ermitteln Strafverfolgungsbehörden gegen Ex-Banker.

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