"Unter Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel"

Analyse17. Februar 2014, 17:19
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Wie das Burgtheater Geld einsparen kann: Das Gesetz sieht auf Dauer keine dritte Spielstätte vor

Wien - Ioan Holender, sparsamer Staatsoperndirektor bis zum Sommer 2010, hatte hohe Reserven, die ihn eigentlich ruhig hätten schlafen lassen können. Doch die anderen beiden Bundestheatergesellschaften, die Volksoper und die Burg, kamen nicht mit der Basisabgeltung aus. Holender wehrte sich polternd gegen eine Gewinnentnahme, er intervenierte auch beim Kanzler. Aber die Bundestheater sind ein Konzern. Der Finanzminister gestand daher keine Erhöhung der Mittel zu, solange es im Konzern Reserven gab.

Nun herrscht wieder einmal helle Aufregung. Bei den Direktoren von Staats- und Volksoper geht die Angst um, die hochverschuldete Burg könnte auf ihre Kosten saniert werden. Denn Kulturminister Josef Ostermayer sagte im Standard-Interview, dass es nicht mehr Geld geben werde. Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, versucht zu beruhigen: "Das Burgtheater ist als Sonderfall zu behandeln!" Der Verkauf der Zentrale namens Hanuschhof oder Teile der Immobilie - für Ostermayer eine Möglichkeit - kommen für ihn nicht infrage: "Die Burg kann nur aus den Assets der Burg saniert werden!"

Welche Möglichkeiten würden sich anbieten? Generell ist festzustellen, dass die Burg den kulturpolitischen Auftrag übererfüllt hat - in der Hoffnung, die Ausweitung des Programms finanziert zu bekommen. Im Bundestheaterorganisationsgesetz aus dem Jahr 1999 heißt es aber, dass die Theaterleitung "nach den Erfordernissen einer wirtschaftlichen, zweckmäßigen und sparsamen Gebarung" zu erfolgen habe - "unter Bedachtnahme auf die verfügbaren Mittel". Man müsste daher all das, was nicht zum kulturpolitischen Auftrag gehört, streichen.

Eine Reihe von Schließtagen anzusetzen, geht zum Beispiel nicht. Im Gesetz heißt es, dass ein ganzjähriger "Spielbetrieb mit angemessenen Spielbetriebspausen, die in Summe zwei Monate nicht übersteigen dürfen, zu gewährleisten" ist. Sehr wohl aber kann die dritte Spielstätte aufgegeben werden. Denn im Gesetz wird das Kasino am Schwarzenbergplatz nicht einmal erwähnt: Es gilt lediglich für Staatsoper, Volksoper und Burg- samt Akademietheater als die "repräsentativen Bühnen der Republik Österreich".

Zudem sind die Vorstellungen "grundsätzlich in den eigenen Häusern" durchzuführen; es können zwar "zusätzlich Bühnen zu Spielstätten bestimmt werden, wenn dadurch ein Nutzen zu erwarten ist, aber nur "zeitlich befristet". Eine dauerhafte dritte Spielstätte war also nicht die Intention des Gesetzgebers.

Eine Denkvariante wäre, dass der Bund das Kasino, ein repräsentatives Ringstraßengebäude, an einen Investor verkauft; und dieser zahlt dann eine Mietablöse. Die Burg würde einen Betrag in Millionenhöhe erhalten - und hätte keine Kosten mehr. Zudem würde sich die Burg nicht selbst konkurrenzieren. Der Preis für die Aufgabe der Spielwiese: Direktor Matthias Hartmann müsste seine epischen Produktionen wie Krieg und Frieden andernorts herausbringen; Ostermayer nennt z. B. die ehemalige Ankerbrotfabrik.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Burg ihre Probebühne im Arsenal verkauft - und dann anmietet. Das würde zwar jetzt die Geldsorgen lösen, das Lease-back käme auf Dauer aber sehr teuer. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 18.2.2014)

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