Energiefirmen strecken sich nach der Decke

17. Februar 2014, 17:05
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Branche muss für Energiewende zehn Milliarden aufstellen - Investitionsbank hilft

Luxemburg/Wien - Österreichs Strom- und Gasunternehmen stehen vor einer Weichenstellung: Weil die Erträge sinken und die Eigenfinanzierungskraft schwindet, müssen neue Formen der Geldaufbringung für notwendige Ausbaumaßnahmen überlegt werden. Statt alles allein zu machen, raten Experten zu verstärkter Kooperation, vor allem bei der Finanzierung von Netzinfrastruktur.

Allein für den Ausbau der österreichischen Stromnetze stehen nach Angaben der Regulierungsbehörde E-Control bis 2020 rund 8,7 Milliarden Euro an Investitionen in der Warteschleife: vier Milliarden für Verteilnetze, etwa eine Milliarde für die Anbindung neuer Ökostromkraftwerke, eine weitere Milliarde für den Einsatz von intelligenten Stromzählern (statt der bisher üblichen analogen) und rund 2,7 Milliarden Euro für die Übertragungsnetze.

Um die Energiewende in Österreich auf Schiene zu bringen, sind zusätzlich Investitionen in die Gasnetzinfrastruktur erforderlich. Für die nächsten zehn Jahre sind hier Projekte im Volumen von 650 Millionen in Diskussion, die Hälfte für das Fernleitungsnetz, die andere Hälfte für das Verteilnetz.

Unterstützung bei der Bewältigung dieses enormen Investitionserfordernisses hat am Montag Wilhelm Molterer zugesagt. Der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) verwies bei einer Veranstaltung in Wien auf verschiedenste Finanzierungsinstrumente, die, abhängig von Art und Umfang des Projekts, eingesetzt werden könnten. Die Palette reicht von Unternehmenskrediten bis zu Finanzierungen unter direkter Beteiligung am Projektrisiko (Structured Finance Facility).

Darüber hinaus hat die EIB auch innovative Finanzierungsprodukte im Portfolio. Als Beispiel nannte Molterer die Projektanleiheninitiative PBCE (Project Bonds Credit Enhancement), eine gemeinsame Aktivität von EU-Kommission und EIB. Große Infrastrukturprojekte sollen dadurch für Kapitalmarktanleger attraktiver gemacht und damit zusätzliches Kapital für Energieprojekte erschlossen werden.

Molterer ortet eine gewisse Zurückhaltung in Österreich bei Projektfinanzierungen: "Die Branche befindet sich in einer Lernphase."

E-Control-Geschäftsführer Martin Graf appellierte an die Unternehmen, stärker auf Kooperationen zu setzen und über den eigenen Tellerrand zu blicken.
(stro, DER STANDARD, 18.2.2014)

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