Wiener VP-Personalkarussell nimmt Fahrt auf

18. Februar 2014, 12:58
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Jank wegen Neos unter Druck - Widerstand gegen neuerliche Kandidatur von Stenzel

Auch wenn die Diskussion über die Mariahilfer Straße derzeit die restliche Stadtpolitik überlagert: Im Rathaus denkt man angestrengt über das Wahljahr 2015 nach. Und da gilt es vor allem für die VP, personelle Weichen zu stellen. Ihr dräut eine besonders schwierige Wahl: Mit den Neos ist Konkurrenz erwachsen; war das Ergebnis 2010 mit 14 Prozent schon nicht berauschend, so sehen manche Meinungsforscher die Stadtschwarzen Richtung Einstelligkeit purzeln.

Der personelle Aderlass der VP ist enorm. Es sind (noch) nicht die großen Namen, die von Schwarz Richtung Pink wandern, aber der eine oder andere schmerzhafte Abgang war schon dabei – zum Beispiel jener von Walter Hatzenbichler. Der frühere Büroleiter der Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, Brigitte Jank, wechselte nach der Nationalratswahl als Wirtschaftsreferent in den pinken Klub.

Apropos Wirtschaftskammer: Im Februar 2015 stehen dort Wahlen an – und für den Wirtschaftsbund steht viel auf dem Spiel. 2010 konnte Jank die absolute Mehrheit noch knapp halten, mit der neuen Konkurrenz dürfte sich das kaum mehr ausgehen. Neos-Bundesgeschäftsführer Feri Thierry sagt, im März gebe es ein erstes Treffen mit Interessenten, da werde man ausloten, „wie hoch der Leidensdruck ist“. Aber natürlich sei die Kammerwahl ein Thema – besonders in Wien.

Janks Interessenskonflikt

Offen ist, ob Jank selbst überhaupt ins Rennen geht. Als nunmehrige Parlamentarierin habe sich Jank selbst das Leben schwer gemacht, heißt es: Wer im Nationalrat sitzt, kann schlecht über die Wirtschaftspolitik der Regierung schimpfen. Mit Walter Ruck, dem Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk, soll auch schon ein potenzieller Nachfolger in den Startlöchern scharren. Offiziell heißt es aus dem Wirtschaftsbund dazu lediglich, die Entscheidung über den Spitzenkandidaten werde etwa ein Jahr vor der Kammerwahl gefällt – also: sehr bald. 

Weichenstellungen sind auch in den Bezirken angesagt. Lange Zeit war Veronika Mickel, die 35-jährige Bezirksvorsteherin der Josefstadt, die einzige Schwarze in dieser Liga, die noch nicht im Pensionsalter ist. Im Juni 2013 folgte dann die 42-jährige Silke Kobald auf das Hietzinger VP-Urgestein Heinz Gerstbach. Offen ist noch, ob Karl Homole im 18. Bezirk weitermachen wird. Die Zeichen stehen eher dafür. Klar deklariert hat sich schon Adolf Tiller; seit einer gefühlten Ewigkeit – real seit 1978 – ist der 74-Jährige Bezirksvorsteher von Döbling, und wenn es nach ihm geht, könnte das noch ein paar Jahre so bleiben.

Streitbare City-Chefin

Und dann ist da noch Ursula Stenzel. Die City-Chefin will wieder fix kandidieren, "wenn es nach mir geht", wie sie dem Standard bestätigt – auch wenn so mancher Parteigrande das hinter vorgehaltener Hand so gar nicht unterstützt. Die Frage sei, wie ihr das schonend beigebracht werden könne, heißt es.

Die streitbare Politikerin selbst sieht sich von der personellen und inhaltlichen Neuaufstellung, die Landesparteichef Manfred Juraczka in Aussicht gestellt hat, jedenfalls nicht betroffen. "Wir beide haben uns gefunden. Juraczka ist sehr kooperativ, das schätze ich sehr", sagte Stenzel. "Wir gehen im Gleichschritt. Auch wenn das jetzt für viele neu und überraschend ist." Das Verhältnis der beiden war nicht immer so friktionsfrei: Nach Kritik nach der Nationalratswahl 2013 habe sich Stenzel bei Juraczka entschuldigt – sagt Juraczka. (Andrea Heigl, David Krutzler, DER STANDARD, 18.2.2014)

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