Autofahrer müssen tiefer in die Tasche greifen

17. Februar 2014, 16:11
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Die Regierung erhofft sich eine Ökologisierung des Autofahrens. Experten sind sich uneins, ob durch die NoVa neu ein Lenkungseffekt erzielt wird

Wien – Ab sofort gilt beim Kauf eines neuen PKW die NoVA Neu. Wer sich noch vor dem 16. Februar 2014 entschlossen hat, einen Kaufvertrag zu unterschreiben, kam noch in den Genuss der alten Normverbraucherabgabe (NoVA). Was die Neuerungen für den Autokäufer bedeutet und um wie viel teurer ein Neuwagen wird, das wird schon seit Wochen eifrig ausgerechnet. Neben der NoVa wurde auch eine Erhöhung und Neuberechnung der motorbezogenen Versicherungssteuer beschlossen – und das wird wohl alle Autofahrer treffen.

Der Auto-Dienstleister Euro-Tax kamen zu dem Schluss, dass "die NoVA-Erhöhung auf breiter Front durchschlagen" werde. Knapp 73 Prozent der Neuwagen würden  teurer werden. Demnach ergibt sich bei den knapp 7.800 berechneten Fahrzeugtypen für rund 2.100 ein geringerer Bruttopreis. Rund 5.700 Typen werden teurer.

Für die beliebtesten Autos der Österreicher heißt das laut Berechnungen den Automobilclubs ÖAMTC folgendes: Ein VW Golf Diesel  mit 77 KW sinkt die NoVa nach der neuen Berechnung um 553 Euro. Bei einem Skoda Octavia ebenfalls mit 77 KW steigt die Abgabe um 190 Euro, beim VW Sharan mit 103 KW um 423 Euro. Martin Graslober, Verkehrswirtschaftsexperte beim ÖAMTC, erklärt im Gespräch mit der Standard.at die Zahlen.

So ziele die neue NoVa, wie sie am Donnerstag vergangener Woche beschlossen wurde, ausschließlich auf den CO2-Emmissionswert, und nicht mehr auf den Verbrauch. Bis zu Emissionen von 250 Gramm je Kilometer wird die Formel <CO2-Ausstoß – 90/5> errechnet – das ergibt den Nova-Prozentsatz. Im Beispiel des Golfs liegt dieser bei zwei Prozent, beim Sharan bei elf Prozent. Für einen Benziner gibt es zudem einen Freibetrag von 450, für einen Diesel von 350 Euro,  nach dessen Abzug erhält man die jeweilige NoVa neu für ein Fahrzeug.


Experten durchleuchten gerade die neue NoVa. Am 24. Feber wird darüber abgestimmt.

Gedeckelt bei 32 Prozent

Für Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß jenseits der 250 Gramm fallen zusätzlich pro Gramm 20 Euro an. Gedeckelt ist die NoVa schließlich bei 32 Prozent. Solche Wagen fahren jedoch sehr selten auf Österreichs Straßen: Vor allem Geländewägen der Oberklasse, Luxus- oder Sportwägen wie eine Corvette, oder ein Aston Martin fallen in die Kategorie 250 Gramm und mehr. Graslober schätzt jedenfalls, das ungefähr zwei Drittel aller Autos in Österreich teurer werden.

Teurer wird es für so gut wie alle österreichischen Autofahrer, was die motorbezogene Versicherungssteuer anlangt. Der Steuersatz wird erhöht und außerdem nach Leistung gestaffelt. Für die drei Beispiele oben bedeutet dies: Beim Golf wird die motorbezogene Versicherungssteuer um 45 Euro im Jahr teurer, beim Sharan um 73, beim Skoda Octavia um 45 Euro. Während die NoVa neu gegebenenfalls also nur Käufer von Autos trifft, wird mit der höheren Motorbezogenen auch der Bestand teurer besteuert. Ein ökologischer Lenkungseffekt werde damit wohl nicht erzielt, glaubt Graslober. Außerdem würden gerade Familien-Wägen, also größere, schwerere Autos, die damit auch mehr PS brauchen hier zum Handkuss kommen.

Ursprünglich sollten Benziner steuerlich längerfristig bessergestellt werden. Umweltschützer haben das lange gefordert, weil sie Diesel als schädlicher als Benzin erachten und besonders Käufer von SUV und Vielfahrer auf Dieselmotoren setzen. "Eine Angleichung der Besteuerung zwischen Benzin und Diesel hätte die negativen Wirkungen von Diesel zumindest nicht begünstigt", sagt Wifo-Expertin Angela Köppl. Sie hält im Sinne einer Ökologisierung ohnedies nutzungsbezogene Abgaben für ein durchschlagskräftigeres Lenkungsinstrument. Etwa eine Anhebung der in Österreich verhältnismäßig günstigen Treibstoffpreise auf EU-Durchschnitt.

Teureres Autofahren

Für ARBÖ-Sprecher Kurt Sabatnig ist abgesehen von solchen Diskussionen grundsätzlich klar: Beim Autofahrerclub ist man gegen Erhöhungen. Denn – und hier schlägt Sabatnig in die nämliche Kerbe wie schon andere Kritiker zuvor - unter dem Deckmantel der Ökologisierung werde versucht, das Autofahren teurer zu machen, so Sabatnig. Angela Köppl sieht das im Gespräch mit derStandard.at nicht ganz so. Allerdings, schränkt sie ein, sei ein Lenkungseffekt über Einzelbestandteile immer schwierig. Köppl hielte es für sinnvoller, die Mobilitätsabgaben als Gesamtpaket unter die Lupe zu nehmen. Was die NoVa Neu allenfalls sein könne: Ein Signal bei der Kaufentscheidung.

Beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht man mit der Änderung einen weiteren Schritt in die richtige Richtung: Bereits seit dem letzten Schritt zur Ökologisierung der NoVa im Jahr 2010 habe sich der Anteil spritsparender Autos (unter 120 Gramm CO2 pro Kilometer) im Neuverkauf auf 37 Prozent fast verdoppelt. Während die Pkw-Verkäufe im Vorjahr insgesamt um 5,1 Prozent zurückgegangen sind, hätten verbrauchsarme Autos 2013 neuerlich um 15,9 Prozent zugelegt. Ob dabei der Trend zum Zweit- oder Drittauto durchschlägt, weiß man allerdings nicht.

Für Arbö-Sprecher Sabatnig besteht vor allem im Hinblick auf die Pendler die Gefahr, dass Mobilität und Autofahren zum Luxus wird.  VCÖ-Mann Christian Gratzer hat Verständnis dafür, dass die Neuregelung keine Freudensprünge hervorruft. "Natürlich versursacht jede Erhöhung Ärger", sagt er, plädiert aber für eine deutliche Differenzierung. Dass 90 Prozent der Pkw teurer würden, sei schlicht falsch, wie auch die Zahlen von Eurotax belegen würden. Fakt sei, dass im vergangenen Jahr 212.000 Neuwagen von Privaten gekauft wurden. Das entspreche lediglich 39, 8 Prozent des heimischen Gesamtabsatzes. Mehr als 60 Prozent erwarben Betriebe, Firmen oder öffentliche Einrichtungen.

Auch bei der motorbezogenen Versicherungssteuer hat der VCÖ eine klare Meinung: "Aus unserer Sicht wäre es statt der Änderungen bei der motorbezogenen Versicherungssteuer besser gewesen, die Steuerbegünstigungen für Firmenwagen schrittweise abzuschaffen. Nutznießer dieser Begünstigung seien vor allem die obere Einkommensschichten." (rebu/roda/ch, derStandard.at, 17.2.2014)

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