Entertainment und Altersradikalität

17. Februar 2014, 17:40
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Zwei Werke, so gegensätzlich wie Charaktere und Lebenssituationen ihrer Schöpfer: Mozarts Klavierkonzert in B-Dur KV 456 und Schostakowitschs letzte, 15. Symphonie

Zwei Werke, so gegensätzlich wie Charaktere und Lebenssituationen ihrer Schöpfer: Mozarts Klavierkonzert in B-Dur KV 456 und Schostakowitschs letzte, 15. Symphonie. Ersteres, das Werk eines 28-jährigen erfolgreichen Komponisten, Pianisten und Konzertveranstalters: Mozarts Akademien waren in Wien 1784 chic, der Laden brummte. Am 30. September kam das B-Dur-Konzert KV 456 zur Uraufführung. Als der Star von der Bühne abging, "machte ihm der kayser mit dem Hut in der Hand ein Compl. hinab und schrie bravo Mozart", wie Vater Leopold seiner Tochter stolz berichtete.

Elisabeth Leonskaja hätte für ihre Interpretation dieses Werks tausend kaiserliche Komplimente verdient: Sie musizierte mit der Gelassenheit und der Dezenz einer Grande Dame - durchmischt jedoch mit einem kecken, pointiert artikulierten Spielwitz. Unerhört feinfühlig, singend und beseelt spielte die große Pianistin, zudem jederzeit spontan und wie aus dem Augenblick heraus. Ganz große Kunst.

Nach der Pause die letzte Symphonie eines alten kranken, leidgeprüften Mannes: Schostakowitschs Fünfzehnte (1971) ist zum einen ein Streifzug durch die Musikgeschichte, zum anderen ein Werk von kurioser Altersradikalität: Über weite Strecken vergisst, verweigert der Komponist hier, eine Symphonie zu schreiben und verliert sich in privaten Plaudereien von Vibrafon, Tuba und Geklapper. Die Symphoniker konzentrierten sich unter der Leitung Philippe Jordans sehr auf ihr Notenmaterial, der Chefdirigent in spe war mehr für Koordination denn für Inspiration zuständig. Dennoch gelang, speziell im ersten Satz, eine dichte Wiedergabe mit Präzision und Wucht. Das Konzerthauspublikum reagierte mit generöser Freundlichkeit. (end, DER STANDARD, 18.2.2014)

Nächstes Konzert der Symphoniker (Bruckner): 20. 2.

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