Zwei Männer und eine Mauer

17. Februar 2014, 12:50
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Argwöhnische Blicke und echte Feindschaft: Dabei kann Versöhnung so schön sein.

Bei vielen Lesern wird der Titel dieses Buches so-fort weitergesponnen, gibt es doch ein bekanntes und sehr altes Kinder-lied genau mit diesen Zeilen. Bei Auf der Mauer auf der Lauer von Olivier Tallec geht es aber dann nicht um eine Wanze ("Seht euch nur die Wanze an / wie die Wanze tanzen kann!"), sondern um zwei Männer, die einander argwöhnisch beäugen. Auf der einen Seite steht der rote, auf der anderen Seite der blaue Mann: Beide stehen geschützt hinter einer Mauer, beide scheinen sich von Beginn an als Feinde zu verstehen. Der rote schaut durch ein Fernglas, der blaue dann ebenso. Der rote Mann droht wutentbrannt rüber, der blaue schlägt verbal ebenso aufgeregt zurück. Erst ein Vogel, den der rote Mann verfolgt, macht ein Treffen der beiden möglich. Und siehe da! Die Männer mögen sich, es herrscht Friede. Das zweiseitige Schlussbild bietet dazu noch eine passende Pointe.

Tallec braucht keinen Text, seine Illustrationen treiben die Geschichte allein voran, zeigen sehr deutlich dieses Misstrauen, dieses gegenseitige Belauern und dann die erfreuliche Auflösung. Sein Buch veranschlaulicht sehr gut, wie sinnlos Streiten sein kann. Und natürlich zeigt es auch, wie schön Versöhnung ist. Gerichtet ist das Bilderbuch an Kinder ab dem fünften Lebensjahr. Die Gestaltung wird aber auch Erwachsene begeistern. (Peter Mayr, STANDARD, 17.2.2014)

Olivier Tallec

"Auf der Mauer auf der Lauer"

64 Seiten, € 13,40 Boje-Verlag 2014

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