Abhörskandal: Eiszeit zwischen Indonesien und Australien

17. Februar 2014, 10:49
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Sechs weitere Monate keine diplomatische Beziehungen - Der Grund: Australien hat den indonesischen Präsidenten und seine Frau belauscht

Indonesien will seine diplomatischen Beziehungen zu Australien für mindestens sechs weitere Monate auf Eis legen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, die aus einem internen Dokument der indonesischen Regierung zitiert. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind bereits seit November des vergangenen Jahres zerrüttet. Damals wurde durch veröffentlichte NSA-Dokumente bekannt, dass Australien das Telefon des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, dessen Frau, einigen Ministern und hochrangigen Beamten abgehört hat. Als direkte Reaktion zog Indonesien seinen Botschafter aus Australien ab. Gleichzeitig wurde auch die Kooperation auf militärischer und geheimdienstlicher Ebene eingestellt.

Yudhoyono verlangt von Australien die Ausarbeitung eines Verhaltenskodex, der festlegt, wie die beiden Länder in Geheimdienstbelangen zukünftig zusammenarbeiten wollen.

Präsidentschaftswahlen im Oktober

Das interne Regierungsdokument nennt nun erstmals einen Zeitraum in dem die Beziehungen wieder normalisiert werden sollen. Erst im Oktober könnten die volle diplomatische Kooperation zwischen Jakarta und Canberra wieder funktionieren. Aber auch dieser Zeitraum bleibt eine Schätzung, denn im Oktober wird Indonesien einen neuen Präsidenten wählen. Der amtierende Präsident Yudhoyono wird dann seine zweite Amtszeit beendet haben und kann deswegen nicht erneut für das Amt kandidieren.

Yudhoyono war über den im November bekannt gewordenen australischen Lauschangriff empört. Australien kommentierte den Vorfall sehr zurückhaltend. Premier Tony Abott ließ nur wissen, dass er bedaure, wenn sein Land Verlegenheiten für den indonesischen Präsidenten ausgelöst habe. Die australische Außenministerin sagte, Australien sei bereit an dem von Indonesien verlangten Verhaltenskodex zu arbeiten.

Wirtschaft besorgt

Die diplomatische Verstimmung löst Besorgnis bei den Wirtschaftstreibenden aus. Diese befürchten, dass die Eiszeit auch Auswirkungen auf etwaige ökonomische Vereinbarungen zwischen den beiden Ländern haben könnte. Die Handelssumme zwischen Indonesien und Australien belief sich im vergangenen Jahr auf rund 15 Milliarden Euro. (red, derStandard.at, 17.2.2014)

  • Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ist von Australien abgehört worden.
    foto: reuters/toru hanai

    Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ist von Australien abgehört worden.

  • Susilo Bambang Yudhoyono (links) mit seiner Frau Kristiani Yudhoyono (Mitte) beim Besuch der japanischen Kaiserin Michiko.
    foto: epa/toru hanai

    Susilo Bambang Yudhoyono (links) mit seiner Frau Kristiani Yudhoyono (Mitte) beim Besuch der japanischen Kaiserin Michiko.

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