Undercover-Reportage: Daimler verklagt SWR

17. Februar 2014, 09:46
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Sender berichtete kritisch über Leiharbeit im Mercedes-Stammwerk - Daimler geht gegen weitere Ausstrahlung des Materials vor

Der Autokonzern Daimler verklagt den Südwestrundfunk (SWR), das berichtet die "Stuttgarter Zeitung" am Wochenende. Der Grund ist eine Undercover-Reportage aus dem Mercedes-Stammwerk in Untertürkheim. Ein Mitarbeiter des Senders hatte sich als Leiharbeiter anheuern lassen und mit versteckten Kameras seine Arbeit gefilmt.

Das Material wurde im Mai 2013 in der ARD-Doku mit dem Titel "Hungerlohn am Fließband: Wie Tarife ausgehebelt werden" ausgestrahlt. Mit der Botschaft, dass sich die Tätigkeit von Leiharbeitern nicht von jener der regulär Beschäftigten in dem Daimler-Werk unterscheide. Eine Praxis, die ein Arbeitsrechtsexperte in der Dokumentation als illegal einstufte. Die Doku löste eine Debatte über Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor und den Umgang mit Leiharbeitern aus. 

Daimler: Film ist manipulativ

Laut "Stuttgarter Zeitung" hat Daimler jetzt am Landgericht Stuttgart Klage gegen diesen Film eingereicht. Mit der Begründung, dass er manipulativ sei und die Gebote journalistischer Sorgfalt und Fairness "in eklatanter Weise verletzt" habe, so eine Sprecherin ders Konzerns.

Der SWR soll 250.000 Euro zahlen müssen, wenn er die mit versteckter Kamera gedrehten Bilder noch einmal zeigt. Ersatzweise sei Ordnungshaft zu verhängen, "zu vollziehen an dem Intendanten", also Peter Boudgoust, heißt es in der Klagsschrift. Erster Verhandlungstermin ist am 8. Mai. (red, derStandard.at, 17.2.2014)

Doku: "Hungerlohn am Fließband: Wie Tarife ausgehebelt werden"

 

  • Daimler will gegen eine weitere Ausstrahlung der Doku "Hungerlohn am Fließband: Wie Tarife ausgehebelt werden" vorgehen.
    foto: apa/sascha schuermann

    Daimler will gegen eine weitere Ausstrahlung der Doku "Hungerlohn am Fließband: Wie Tarife ausgehebelt werden" vorgehen.

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