Sensation in Sotschi

16. Februar 2014, 20:24
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Zwischen Skispringen und Hafen auf einen Kaffee unter Palmen

Der Tag hat es verdient, gelobt zu werden, er kann ja nichts für den Abend. Ganz wichtig ist es, bei der Fahrt ins Zentrum von Sotschi in der Eisenbahn links am Fenster zu sitzen. Nur dann zieht das Meer vorbei, ziehen die zum Teil verfallenen Betonbadestege der sowjetischen Zeit vorbei. Selten ziehen Baustellen und neuer Prunk vorbei. Zwischen den Gleisen und dem Meer ist wenig Platz.

Sonnenschein in Sotschi, ehe die Wolken kommen. Da drängt sich ein Kaffee unter Palmen geradezu auf. Die Schiffe, der Hafen und das Meer sind zu schauen, und damit der Kontrast nicht fehlt, bereitet man sich gedanklich auf das abendliche Skispringen in Krasnaja Poljana vor.

Schön ist der Weg von der Hafenpromenade auf der prächtigen Ulica Navaginskaja durch Parkanlagen wieder zurück Richtung Bahnhof. Beef Stroganoff in Erdäpfelpüreeschüssel mit frischer Dille zwecks Stärkung für die Heimfahrt. Wieder links zu sitzen rät sich insofern, als man ins Land reinschauen kann, in dem baumäßig geklotzt und nicht gekleckert wird.

In der Nacht, bei der Heimreise von der Schanze ins Quartier, passiert Sensationelles. Der Buschauffeur nimmt die falsche Autobahnabfahrt. Die Insassen merken das sogleich. Der Unglückliche lässt sich nichts anmerken, bessert seinen Schnitzer aus, ehe er sich kurz vor dem Ziel noch einmal verfährt, auf dass man die Rücklichter des Anschlussbusses sieht. Normal kommt immer gleich einer nach, diesmal nicht. Kurz nach drei Uhr früh ist man daheim. Sie hat voll zugeschlagen, die Ausnahme von der Regel, nach der hier der Transport perfekt funktioniert und mit der man gar nicht mehr gerechnet hat. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 17.02.2014)

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