Grabnutzungsberechtigt

Einserkastl16. Februar 2014, 18:29
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Was Ingrid R. beim Gespräch mit der Verwaltung des Friedhofs erlebte

Ordnung ist das halbe Leben. Im Tod gilt das erst recht. Und ganz speziell auf dem Wiener Zentralfriedhof - viel spricht dafür, dass die Weisheit überhaupt dort geprägt wurde. So muss es zumindest Ingrid R. erscheinen, die wegen einer bald fälligen Verlängerungsgebühr für das Grab ihres Vaters bei der Verwaltung des Friedhofs vorsprach und dabei Folgendes erlebte.

Ingrid R.: "Guten Tag. Ich möchte für das Grab A. S. die Gebühr für die nächsten zehn Jahre einzahlen."

Friedhofsverwalter (tippt in den Computer): Das geht nicht, Sie sind nicht nutzungsberechtigt."

Ingrid R.: "Wer ist denn nutzungsberechtigt?"

Friedhofsverwalter: "Das darf ich Ihnen nicht sagen. Aber es ist ein Herr."

Ingrid R.: "Hm, vielleicht mein Großvater K. S., der das Grab vor mehr als 100 Jahren gekauft hat?"

Friedhofsverwalter: "Nein."

Ingrid R.: "Mein Bruder E. S.?"

Friedhofsverwalter: "Nein. Aber so ähnlich."

Ingrid R.: "A. S., mein Vater?"

Friedhofsverwalter: "Ja."

Ingrid R.: "Aber der ist ja tot und liegt in diesem Grab!"

Friedhofsverwalter: "Das ist völlig egal. Er ist der einzige Nutzungsberechtigte."

Ingrid R: "Dann kann ich also nicht verlängern?"

Friedhofsverwalter: "Erst wenn das Nutzungsrecht Ihres Vaters ausgelaufen ist. Ab dann sind Sie nutzungsberechtigt." (corti, DER STANDARD, 17.2.2014)

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