Weiter Haft für Demonstranten: "Noch kein Grund zur Sorge"

16. Februar 2014, 17:30
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Deutscher seit Demo gegen Akademikerball in Haft - Amnesty hat derzeit "keine Bedenken wegen der Haft"

Wien - Für einen jungen Mann aus Deutschland dauern die Nachwirkungen der Demo gegen den Akademikerball am 24. Jänner an. Josef S. sitzt nämlich seit mehr als drei Wochen in Untersuchungshaft. Er war einer von 14 Demonstranten, die am Abend der Demonstration festgenommen wurde, allerdings ist er der Einzige, der nicht am selben Abend wieder gehen konnte.

Gegen den 22-jährigen Mann aus Thüringen wird wegen Landfriedensbruchs, schwerer Körperverletzung, schwerer Sachbeschädigung und tätlichen Angriffs auf einen Beamten ermittelt.

U-Haft verlängert

Am vergangenen Montag wurde die Untersuchungshaft von S., der in der Justizanstalt Josefstadt inhaftiert ist, noch einmal bis 10. März verlängert, wie Christina Salzborn, Sprecherin des Landesgerichts für Strafsachen Wien, dem Standard bestätigte. Wegen "Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr".

Mitstreiter und Freunde des Mannes aus der Antifa-Szene protestierten gegen seine Haft in Wien und Berlin. Sie zeigen sich tief besorgt.

Derzeit "keine Bedenken"

In deutschen Medien wurde auch der Generalsekretär von Amnesty International Österreich, Heinz Patzelt, als besorgt zitiert. Patzelt wiegelt im Standard-Gespräch aber ab. Er habe derzeit "keine Bedenken wegen der Haft". Er könne zwar die Verwunderung über den Grund der Haftverlängerung, nämlich in puncto Tatbegehungsgefahr, verstehen, "doch Tatbegehungsgefahr ist ein sehr weit gefasster Begriff".

"Problematisch" würde Patzelt den Fall erst dann finden, "wenn der Mann viele Wochen in U-Haft wäre, ohne dass irgendwann klar wird, wessen er eigentlich beschuldigt wurde". Fluchtgefahr besteht für Patzelt keine, da der Mann Deutscher ist und die Sache mit einem europäischen Haftbefehl erledigt wäre.

Ob in absehbarer Zeit Anklage gegen Josef S. erhoben wird, kann auch die Staatsanwaltschaft nicht sagen: "Es sind laufende Ermittlungen", quittierte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien die Nachfrage. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 17.2.2014)

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