"Tatort" aus Ludwigshafen und das Zirkuskind: Top oder Flop?

Ansichtssache16. Februar 2014, 17:51
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Es ist noch nicht lange her, da ermittelte Kommissar Felix Murot in "Schwindelfrei" im Falle eines Mordes in der Manege. Am Sonntag erwischte es nun auch die Ludwigshafener Ermittler Odenthal und Kopper: Gleich zu Beginn von "Zirkuskind" mussten sich die beiden eine Zirkusvorstellung geben, glänzende Augen inklusive.

foto: orf/ard/alexander kluge

Und wie es nicht anders kommen kann, liegt am nächsten Tag ein Mitarbeiter erschlagen in der Manege. Was Regisseur Till Endemann und Autor Harald Göckeritz mit der ganzen Akrobaten- und Wohnwagenromantik vermitteln wollen, ist nicht - wie man zu Recht vermuten könnte -, dass es im "Tatort" oft ein ziemlicher Zirkus ist, bis die Ermittler den Fall gelöst haben. Stattdessen muss das Schaustellerleben als Chiffre herhalten für einen Gegenentwurf zum geregelten Beamtenleben: Nomadentum. Freiheit.

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Da glänzen die Augen des Mario Kopper, denn er darf nur in der Freizeit ab und zu den Rocker geben und muss die restliche Zeit immer brav das Katzenklo ausräumen. Damit es der Letzte kapiert, darf noch ein zwischen dement und weise oszillierender alter Herr durchs Bild schlurfen und Lena Odenthal sentimentale Erinnerungen an Zirkusbesuche aufs Auge drücken.

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Kurz hat man die Hoffnung, der Zirkus in der Stadt könnte die erfahrungsgemäß recht konservativen Ludwigshafener Erzählroutine etwas auffrischen. Aber Akrobatik hin oder her, man bleibt sich treu. Die Ermittlungen verlaufen in gemächlichen, erwartbaren Bahnen - weil sie das immer tun.

Und selbst die Tochter der Zirkuschefin, die so gerne ein anderes Leben geführt hätte, muss sich der Ludwigshafener Logik beugen: Sie bleibt ein Zirkuskind - weil sie immer eines gewesen ist. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 17.2.2014)

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"Kommissarin Odenthal und Kollege Kopper waren im Zirkus. Dabei herausgekommen ist ein schmerzhaft konventionell erzählter "Tatort", der so gar nicht das Spannende des Milieus auslotet. Gepriesen wird stattdessen der Dialekt", urteilt Holger Gertz in der "Süddeutschen Zeitung".

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"Die Kommissarin und ihr Sidekick verheddern sich zwischen kindlicher Begeisterung, menschlicher Anteilnahme und aufgesetzter Professionalität", schreibt Christian Buß im "Spiegel", "unvermeidlich, dass die sportliche Ermittlerin selbst noch mal aufs Seil steigt - und bei dem Balanceakt nebenbei eine kleine Zirkusartistin nach deren undurchsichtigen Kollegen befragt. Wo sonst in Zirkusfilmen hinter der Theaterschminke die Tragik herausbröckelt, da ist es hier unfreiwillige Komik."

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Im "Tatort. Zirkuskind“ wirke Kommissarin Lena Odenthal "so unterfordert´" wie noch nie. Tödlich sei hier vor allem die Langeweile, heißt es in der "FAZ".

Wie hat Ihnen diese Folge gefallen? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 16.2.2014)

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