Österreichs Eishackler brillieren gegen Norwegen

16. Februar 2014, 20:50
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Grabner und Raffl schießen umgekrempeltes Team zu 3:1-Erfolg - Im Viertelfinal-Playoff trifft man nun auf Slowenien

Sotschi - Einen Monat vor Beginn des olympischen Abenteuers hieß der Stein des Anstoßes in Österreichs Eishockey Mathias Lange. Teamchef Manny Viveiros hatte Fabian Weinhandl, die Nummer zwei des KAC, als dritten Torhüter in seinen Kader berufen und dafür Kritik von Thomas Vanek geerntet. Der Star der New York Islanders wollte nicht glauben, dass Lange, der Standardgoalie des DEL-Klubs Iserlohn Roosters, unberücksichtigt geblieben war. Auch das Fehlen des Ex-NHL-Stürmers Andreas Nödl von Salzburg stieß auf Unverständnis.

Unmittelbar vor der Abreise nach Sotschi nominierte Viveiros Lange und Nödl nach. Gegen die Norweger zählten die beiden dann zu den besten in Österreichs Mannschaft. Der 28-jährige Kärntner Lange, statt des gegen die Kanadier trotz der sechs Gegentore überzeugenden Bernhard Starkbaum aufgeboten, hielt 34 von 35 Schüssen auf sein Gehäuse. Der 26-jährige Wiener Nödl arbeitete in der dritten Linie wie eine Biene, blieb schließlich individuell unbelohnt, traf einmal nur die Stange. 

Übersicht in Unterzahl

Und dass Viveiros mit Michael Grabner, Center Michael Raffl und Thomas Vanek einen reinen NHL-Sturm aufbot, dafür aber Oliver Setzinger aus der Mannschaft nahm, machte sich ebenfalls bezahlt. Der pfeilschnelle Grabner erzielte die frühe Führung nach Pass von Ex-NHL-Verteidiger Thomas Pöck (5.) und den späten Endstand (59.), Raffl stellte auf 2:0 (7.). Den Norwegern gelang nur der Anschlusstreffer im Mitteldrittel (29.).

Defensiv überzeugten die Österreicher diesmal völlig, trotz der zwölf Strafminuten und einer mehr als einminütigen 3:5-Unterzahl passierte nichts. "Die Norweger waren immer aktiv, haben viel Zeit in unserem Drittel verbracht, wir haben aber wenig an sehr guten Chancen zugelassen. Das, was gekommen ist, haben meine Vorderleute geblockt oder die Rebounds geklärt", sagte Lange. Auf den Goalie prasselten Lobesworte wie norwegische Schüsse. 

Grabner bester Turnierschütze

"Lange war unglaublich stark heute", sagte Teamchef Viveiros. "Er hat unglaublich gespielt, er hat uns Selbstvertrauen gegeben", ergänzte Kapitän Vanek. "Lange hat die Saves gemacht, wenn wir ihn gebraucht haben", pflichtete Grabner bei, der nach seinen drei Erfolgen gegen Finnland nun schon bei fünf Turniertreffern hält und sowohl bei den Toren (beste Schütze der Gruppenphase) als auch bei den Punkten in der Statistik des gesamten Turniers eine Spitzenposition einnimmt. Lange steht in der Torhüter-Statistik mit 98,0 Prozent abgewehrter Torschüsse auf dem dritten Platz. 50 Schüssen auf sein Tor, steht ein kassierter Treffer gegenüber.

Die Gründe seines Erfolges suchte der 26-jährige Grabner natürlich auch bei seinen Nebenleuten. "Ohne Mitspieler geht es nicht. Michi Raffl hat mir schon das ganze Turnier die Pässe gegeben, Thomas ist auch ein guter Passer, ich probiere, mich freizulaufen. Das hat gut funktioniert, du brauchst nur eislaufen und den Platz finden." 

Und nun Slowenien

Der angesprochene Vanek wiegelte ab und kanifelte den seiner Meinung nach frechen ORF-Experten Peter Znenahlik: "Wir sind als Mannschaft aufgetreten und haben als Mannschaft gewonnen. Wenn es stimmt, was Herr Znenahlik sagt, dass wir drittklassig sind, ist es kein schlechter Sieg."

Der Sieg ist freilich dann wenig wert, wenn in der folgenden Viertelfinal-Qualifikation nicht neuerlich ein Erfolg gelingt. Der Gegner am Dienstag, Slowenien, ist schlagbar, wie ein inoffizielles Testspiel in Sotschi bewies, das die Österreicher mit 4:1 gewannen. Allerdings schlugen die Slowenen, als es ernst war, die Slowakei mit 3:1.

Im Abendspiel zog Kanada nach einem 2:1 Overtime-Sieg (1:0, 0:1, 0:0, 1:0) gegen Finnland ohne Niederlage in die Runde der letzten Acht ein, auch die Finnen sind als Gruppenzweiter durch. (APA, lü, DER STANDARD, 17.02.2014)

ERGEBNISSE Gruppe B - 3. Runde:

Österreich - Norwegen 3:1 (2:0,0:1,1:0). Sotschi, Bolschoi-Arena, 6.882, SR Sindler/Walsh (CZE/USA).

Tore: Grabner (5., 59), M. Raffl (7./PP) bzw Skroder (29.). Strafminuten: 12 bzw. 8.

Österreich: Lange - A. Lakos, Trattnig; R. Lukas, Pöck; S. Ulmer, Unterluggauer; F. Iberer, Altmann - Grabner, M. Raffl, Vanek; Latusa, Koch, Lebler; Th. Raffl, Hundertpfund, Nödl; Welser, Oberkofler, Herburger

Norwegen: Haugen - Holos, Bonsaksen; Trygg, Tollefsen; Solberg, Odegaard - Zuccarello, K.A. Olimb, Thoresen; Ask, M. Olimb, Rosseli Olsen; Olden, Skroder, Bastiansen; Roymark, Hansen, Forsberg; Roest, Dahlstrom

Finnland - Kanada 1:2 n.V. (0:1,1:0,0:0;0:1) Tore: Ruutu (39.) bzw. Doughty (14./PP, 63.)

  • Verlässlicher Scorer für Rot-Weiß-Rot: Michael Grabner.
    foto: reuters/bruce bennett

    Verlässlicher Scorer für Rot-Weiß-Rot: Michael Grabner.

  • Ein Check mit Folgen.
    foto: ap/ mark humphrey

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