Irak: Schiitenprediger Al-Sadr zieht sich aus Politik zurück

16. Februar 2014, 10:01
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Ex-Milizenchef will auch nicht mehr im Parlament vertreten sein

Bagdad - Der radikale irakische Schiitenprediger Muktada al-Sadr (40) zieht sich nach eigenen Angaben aus der Politik zurück. Er werde sich künftig "aus allen politischen Angelegenheiten heraushalten" und sich auch durch keine Fraktion mehr im Parlament vertreten lassen, hieß es in einer Erklärung, aus der die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag zitierte.

Zwei Monate vor der Parlamentswahl verfügen Sadrs Anhänger über sechs Kabinettsposten und 40 Abgeordnetensitze.

Der radikale Geistliche war ein entschiedener Gegner der US-Truppenpräsenz im Irak. Er stand lange Zeit einer 60.000 Mann starken Miliz vor, löste diese aber bereits vor Jahren auf und gründete eine politische Bewegung. Später trat Sadr vor allem als Kritiker des ebenfalls schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki in Erscheinung.

Sinneswandel unwahrscheinlich

Ob sein Rückzug endgültig oder nur vorübergehender Natur ist, war zunächst unklar. Vertraute des Geistlichen sagten AFP, ein Sinneswandel sei eher unwahrscheinlich - zumal Sadr nach eigener Aussage auch alle politischen Büros seiner Bewegung schließen lassen will.

Die Gewalt im Irak hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen und ein Niveau wie zuletzt im Jahr 2008 erreicht. Alleine im Jänner wurden nach Regierungsangaben mehr als tausend Menschen getötet. Ausländische Diplomaten haben Maliki vor der Parlamentswahl im April aufgerufen, der sunnitischen Minderheit entgegenzukommen, die seit langem über politische und wirtschaftliche Diskriminierung klagt. Bisher hält der Regierungschef aber an seiner harten Linie fest. (APA, 16.2.2014)

  • Der radikale Schiitenprediger Al-Sadr will sich nicht mehr politisch engagieren, sagt er.
    foto: reuters/ahmad mousa

    Der radikale Schiitenprediger Al-Sadr will sich nicht mehr politisch engagieren, sagt er.

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