Opposition fordert Hartmann-Rücktritt

15. Februar 2014, 16:16
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FPÖ fordert Köpferollen, Grüne sehen genug Gründe für Rücktritt - Ensemble bekräfitgt Kritik

Die FPÖ kann der Strategie von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), in der Causa Burgtheater kühlen Kopf bewahren zu wollen, nichts abgewinnen. "Bei einer Bilanz, die offenbar ein Minus von 8,3 Millionen Euro für die Zeit 2012/13 beträgt, muss es für die Verantwortlichen ein Köpferollen geben", so FP-Kultursprecher Walter Rosenkranz. Auch das Team Stronach forderte am Samstag rasche Aufklärung.

Das Ensemble des Burgtheaters hatte dem Direktor Matthias Hartmann und Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer am Freitag das Misstrauen ausgesprochen. "Das ist ein unmissverständliches Signal an Ostermayer, bei der Führungsspitze des Burgtheaters endlich auszumisten", so Rosenkranz weiter. Die Politik müsse entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit die Burg "wieder an Akzeptanz gewinnt und auf solide Beine kommt".

Team Stronach-Kultursprecher Marcus Franz sieht das ähnlich. "Angesichts des aktuellen Hypo-Desasters muss auch bei dieser renommierten Kulturinstitution ohne übertriebene Rücksichtnahme auf Einzelpersonen im Sinne der Steuerzahler ehebaldigst gehandelt werden", so Franz. Schließlich handle es sich bei den Bundestheatern um eine hoch subventionierte Einrichtung, der Finanzskandal müsse "rasch und kompromisslos aufgeklärt" werden.

Auch Grüne sehen genug Gründe für Hartmanns Rücktritt

Die Grünen sehen den Zeitpunkt für den Rücktritt von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann gekommen. "Was muss eigentlich alles passieren, bis die Geschäftsführung eines Bundesbetriebs den Hut nimmt?", fragt Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl am Samstag. Das Haus sei weder wirtschaftlich noch sparsam geführt worden, und drei von vier Ensemblemitgliedern haben Hartmann das Vertrauen entzogen.

Im Falle der Finanzen sei das eigene Versagen wie so oft "in die zweite Reihe delegiert" worden, und das Misstrauensvotum des Ensembles ignoriere Hartmann "wie ein Feudalherr", so Zinggl. "Dem Direktor ist nichts zu peinlich", hält er das Verhalten der Burgtheaterleitung für "beschämend". Warum Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) zudem auf einen Prüfbericht warten wolle, "der im Auftrag und unter Beisein derer verfasst wird, die den Ruf des hoch renommierten Hauses verspielt haben", ist für Zinggl nicht nachvollziehbar. "Es gibt genug Gründe für den Burgchef, den Hut zu nehmen."

Johannes Krisch: "Hartmann kann sehr wohl etwas dafür!"

Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann wird es nicht leicht haben, sein Ensemble zu überzeugen. Der erste Versuch scheint fehlgeschlagen. Er verstehe, dass nicht alle Ensemblemitglieder über die Geschäftsordnung des Hauses Bescheid wüssten, hatte dieser gestern das Misstrauensvotum kommentiert. "Wir kennen die Geschäftsordnung sehr wohl", entgegnet ihm heute Ensemblemitglied Johannes Krisch.

"Künstlerische und kaufmännische Seite arbeiten zusammen. Man kann sich nicht ausreden, man habe von der anderen Seite nichts gewusst. Hartmann kann sehr wohl etwas dafür, wie das Burgtheater jetzt dasteht. Misswirtschaft findet ja auch in der Hinsicht statt, dass er einfach zu viele Produktionen macht. Das muss jedem klar sein. Ich kann ja auch nicht in den Supermarkt gehen und mehr einkaufen, als ich bezahlen kann", sagt Krisch, der seinem Direktor die Aussage, er habe bei seinen bisherigen Intendanzen die von ihm geleiteten Häuser stets saniert hinterlassen, nicht abnimmt: "Dieses Problem hat er ja auch in Zürich gehabt."

Das Ensemble habe ein Signal setzen wollen, dass sich nicht alle aus ihrer Verantwortung stehlen dürften, so Krisch im Gespräch mit der APA: "Es geht hier schließlich um das österreichische Nationaltheater. Es geht darum, dass endlich jemand zu seiner Verantwortung steht." Diese Verantwortung hätten viele Organe nicht wahrgenommen, findet der Schauspieler. "Dieser Betrieb wird monatlich geprüft. Die finanzielle Gebarung muss allen bekannt gewesen sein. Warum heißt es 'Aufsichtsrat'? Der Aufsichtsrat und sein Vorsitzender hat dafür ebenso die Verantwortung zu tragen wie die beiden Geschäftsführer des Burgtheaters."

Man habe im Ensemble den Eindruck gewonnen, hier werde sich von verschiedener Seite abgeputzt und auf Zeit gespielt. "Daher wollte das Ensemble darauf hinweisen, dass es uns sehr wohl bewusst ist, welche Verantwortung wir für das Geld, das wir vom österreichischen Steuerzahler erhalten, tragen." Darüber, über welche künstlerische Arbeits- und Gesprächsbasis man mit Direktor Hartmann derzeit noch verfüge, wollte sich Krisch nicht äußern. Man hoffe nun sehr auf einen raschen Termin bei Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), an den der gestern beschlossene Brief gerichtet ist. Ihm wollen die Schauspieler ihre Sicht der Dinge darlegen. Dann sehe man weiter. (APA, 15.2.2014)

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