Todesfälle in Spitälern: KAV dementiert Mängel bei Notversorgung

15. Februar 2014, 14:13
82 Postings

Laut Medienbericht lebensgefährliche "Engpässen im Gesundheitssystem" - Für KAV demgegenüber "tragische medizinische Ereignisse" und kein Kontext zu Einsparungen in Wiener Spitälern

Wien - Im Hinblick auf mehrere Todesfälle in Wiener Spitälern ortet das Nachrichtenmagazin "profil" (Montag-Ausgabe) "eklatante Mängel in der Notfallversorgung" und spricht von "Engpässen im Gesundheitssystem". Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), das Wiener AKH und die Med Uni Wien haben diese Behauptungen am Samstag einhellig dementiert.

"Wir weisen die Darstellung der vorliegenden 'profil'-Vorabmeldung zurück. Es handelt sich in beiden Fällen um tragische medizinische Ereignisse, die bei den Angehörigen verständlicherweise Verzweiflung und Betroffenheit ausgelöst haben bzw. auslösen", erklärte KAV-Sprecherin Andrea Danmayr. Die Todesfälle seien eingehend auf allfälliges Fehlverhalten überprüft worden, die mit den betreffenden Patienten befassten Mediziner hätten jeweils eindeutig lege artis gehandelt, betonte Danmayr.

KAV-Sprecher: Einwandfreie medizinische Versorgung

Der erste Fall hatte sich Anfang September 2013 im Krankenhaus Hietzing abgespielt. Laut "profil" konnte eine 55-jährige Frau in lebensbedrohlichem Zustand "nicht adäquat versorgt werden, da alle Herz-Lungen-Maschinen belegt waren".

Die Patientin war mit eine Dissektion der thorakalen Aorta - einer Zerreißung der Hauptschlagader im Oberkörper- ins Spital gekommen. Laut KAV wurde infolge des dramatischen Befunds sofort eine Computertomografie gemacht und eine Akut-OP vorbereitet. Während dieser Vorbereitungen sei die Frau trotz einwandfreier medizinischer Versorgung bedauerlicherweise gestorben.

Im zweiten Fall, über den auch die "Kronenzeitung" in ihrer Samstag-Ausgabe berichtet, war ein 62 Jahre alter Mann am 3. Jänner 2014 mit einem abdominalen Aortenaneurysma - einer Ausweitung bzw. Ausbuchtung der Arterienwand im Bauchbereich - im AKH aufgenommen worden. Da der diensthabende Gefäßchirurg gerade mit einer anderen Operation befasst war - er befand sich auf einem Transplantations-Einsatz - entschieden die Ärzte im AKH, den Patienten unverzüglich ins Wilhelminenspital zu überstellen, wo er von einem Spezialisten operiert wurde. Nach mehreren weiteren Eingriffen starb der Mann einige Tage später an einem Multiorganversagen.

AKH: Kein Zusammenhang mit Einsparungen

"Das war ein medizinisch sehr schwieriger Fall", bemerkte dazu AKH-Sprecherin Karin Fehringer. Einen Zusammenhang zwischen dem Ableben des Patienten und mit Jahreswechsel getroffenen Einsparungen bei den ärztlichen Journaldiensten gebe es nicht: "Aus unserer Sicht wurde von den Medizinern alles getan, was man tun kann."

Das bekräftigte auch Johannes Angerer, Kommunikationschef der Med Uni Wien. Die Änderungen bei den Journaldiensten wären keinesfalls kausal für den Tod des Patienten gewesen. Es gebe - wie in den vorangegangen Jahren - am AKH nach wie vor durchgehend einen diensthabenden Gefäßchirurgen: "Das Ganze wäre 2013 nicht anders abgelaufen." Da der Spezialist anderweitig beschäftigt war, habe man den Patienten nach einer korrekten Befundung ebenso rasch wie fachmännisch zu seinem Wohl ins Wilhelminenspital gebracht, wo er dem Stand der Wissenschaft entsprechend behandelt worden sei.

Angerer wies in diesem Zusammenhang auf die lebensbedrohliche Diagnose des Patienten hin. Bei einem Aortenaneurysma liege die Überlebenschance bei 20 bis 30 Prozent. (APA, 15.2.2014)

Share if you care.