Zalando plant Milliarden-IPO trotz roter Zahlen

15. Februar 2014, 10:20
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Einnahmen des Online-Modehändlers im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen

Europas größter Online-Modehändler Zalando steht nach einem rasanten Umsatzwachstum in den Startlöchern für einen Börsengang. Die Eigentümer streben laut Kreisen im Laufe des Jahres den Gang aufs Parkett an, nachdem die Einnahmen im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen sind. Allerdings hat Zalando noch zu kämpfen, um profitabel zu werden.

Laut mehreren Informanten arbeiten die Eigentümer an einem Börsengang, der das Unternehmen nach Schätzung von Analysten mit mehreren Milliarden Euro bewerten könnte. Die Schätzungen gehen weit auseinander und erreichen bis zu 8,5 Milliarden Euro. Miteigentümer Kinnevik gesteht dem Online-Händler in seiner Bilanz einen fairen Wert von 3,9 Milliarden Euro zu, das ist der zweifache Umsatz.

Zalando-Chef Rubin Ritter blieb am Freitag im Interview mit dem Wall Street Journal vage, was die Börsenpläne angeht. "Wie wir bereits mehrfach gesagt haben, könnte ein IPO eine interessante Option für die Zukunft sein", sagte er lediglich. "Es gibt dazu auch keine Entscheidung. Unser Fokus liegt im Moment auf der weiteren Entwicklung von Zalando." Er zeigte sich aber zufrieden mit der Geschäftsentwicklung: "2013 war ein gutes Jahr, in dem wir unsere Marktführerschaft ausgebaut haben," sagte Ritter. "Der milde Winter und Investitionen in zwei Logistikzentren und die IT" hätten das Ergebnis allerdings belastet.

Zalando, das Schuhe und Modeartikel übers Internet verkauft, wurde vor rund sechs Jahren gegründet und hat bisher durchweg rote Zahlen geschrieben. Die Eigentümer hätten bereits mit Investmentbanken über ein Mandat für den Börsengang gesprochen, sagten zwei Informanten. Gute Chancen hätten Goldman Sachs, Morgan Stanley und J.P. Morgan Chase.

Im vergangenen Jahr schrieb Zalando erneut hohe Verluste. Die operative Marge war mit etwas unter 7 Prozent kaum besser als im Vorjahr, als Zalando mit jedem Euro Umsatz 7,2 Cent verlor. Vor Steuern und Zinsen errechnet sich damit 2013 ein Minus von rund 120 Millionen Euro.

"An der Marge müssen wir arbeiten", sagte Ritter. "Wir wollen weiter wachsen, aber nachhaltig," sprich profitabel. Dazu sollen Werbung und die Vertriebszentren in Erfurt und Möchengladbach effizienter werden. Arbeiten muss das Unternehmen auch an der hohen Quote von Rücksendungen, die dem Online-Händler hohe Kosten bescheren.

Auch wenn Zalando nach Schätzungen von UBS-Analysten voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2015 profitabel sein wird, bewerten die meisten Investmentbanken den Onlinehändler angesichts seines rasanten Umsatzwachstums und einem explodierenden Interesse am Einkauf übers Internet mit deutlich über 5 Milliarden Euro. Die UBS schätzte den Wert in einer Studie jüngst auf 5,6 Milliarden Euro, Citi-Analysten sehen die Bewertung bei dem Fünffachen des Jahresumsatzes oder rund 8,5 Milliarden Euro, inklusive Schulden.

Die UBS erwartet in diesem Jahr ein Umsatzwachstum auf 2,8 Milliarden Euro, im kommenden Jahr sollen es 3,8 Milliarden Euro sein. Dann dürfte Zalando ihrer Einschätzung nach auch erstmals insgesamt profitabel sein. In seinen Kernmärkten Deutschland, Schweiz und Österreich hatte das Unternehmen bereits 2012 die Gewinnschwelle erreicht.

Zalandos größter Aktionär, die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, hält rund 37 Prozent an den Berlinern. Gleich danach kommt die Beteiligung der Samwer-Brüder, die deutschen Internet-Investoren halten 18 Prozent. An dritter Stelle steht der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen, Gründer und Chef des Textileinzelhändlers Bestseller, mit einem Anteil von 10 Prozent.

Außerdem beteiligt sind unter anderem die Investmentfirma DST Global und die Venture-Capital-Töchter des Holtzbrinck-Verlags und der Supermarktkette Tengelmann. Ob alle Eigentümer von Zalando bei einem Börsengang Anteile verkaufen oder an ihrer Beteiligung festhalten, ist bisher unklar. (Eyk Henning, WSJ.de/derStandard.at, 15.02.2014)

  • Zalando will sich an der Börse beweisen.
    foto: apa/marks

    Zalando will sich an der Börse beweisen.

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