Gold an Fenninger: "Es ist alles sehr emotional"

15. Februar 2014, 09:39
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Salzburgerin taktiert sich zum Olympiasieg, Hosp Dritte - Auf einem selektiven Kurs setzen sich die besten Fahrerinnen durch

Anna Fenninger ist Olympiasiegerin im Super G. Dass sich die Österreicherin durch ihren Ausfall in der Abfahrt nicht aus dem Konzept bringen, geschweige denn einschüchtern ließ, war bereits auf den ersten 20 Fahrsekunden des Rennens deutlich zu erkennen. Keine andere Dame zog am Samstag eine derart aggressive Linie in den Starthang von Krasnaja Poljana. Auch die anfängliche Ausfallsorgie - von den ersten elf sahen acht nicht das Ziel - auf dem von ÖSV-Speedtrainer Florian Winkler gesteckten Kurs brachte die Österreicherin nicht aus der Ruhe.

Erste olympische Medaille für Fenninger

Am Ende stand tatsächlich Gold und damit die erste olympische Medaille für die Salzburgerin. Vor vier Jahren in Vancouver hat es nur zu einem 16. Platz gereicht, im Weltcup gelang der 24-jährigen bisher ein einziger Sieg im Super G. Dass der Vorsprung auf die Zweite Maria Höfl-Riesch mit 0,55 Sekunden relativ deutlich ausfiel, war auch einem schweren Patzer der Deutschen ("Ich war kurz vor dem Abschwingen") im Zielhang gedankt, bei der letzten Zwischenzeit lag diese noch 14 Hundertstel voran.

Die Tirolerin Nicole Hosp wiederum wurde als Dritte (+0,66) ihrem Ruf als Medaillenbank bei Großereignissen gerecht: neben sieben WM-Medaillen ist sie nun auch olympisch zum dritten Mal veredelt. Um sieben Hunderstel verwies Hosp die Topfavoritin und dreifache Saisonsiegerin Lara Gut aus der Schweiz auf den vierten Platz. Das ÖOC-Team hält in Sotschi damit bei zwei Gold-, vier Silber- und einer Bronzemedaille.

Taktisches Fahren

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist alles sehr emotional, ich fühl mich fast wie eingefroren", sagte Olympiasiegerin Fenninger in ihrer ersten Reaktion. Mit Nummer 18 war sie über die Tücken der Strecke bestens informiert: "Es war unglaublich schwierig, man musste taktisch fahren". Der entscheidende Tipp kam von Cheftrainer Jürgen Kriechbaum, der an der Schlüsselstelle bei der Kante vor dem Zielhang positioniert war. "Es war richtig, hier taktisch zu fahren. Jürgen hat uns gefunkt: 'Driften, nicht auf Zug fahren'. Sonst wäre es sich nicht ausgegangen", so Fenninger.

Hosp, die mit Nummer 16 ins Rennen ging und zwischenzeitlich Bestzeit fuhr, brach angesichts der Rahmenbedingungen mit einer Tradition und schaute ihren Konkurrentinnen am Start im Fernsehen zu: "Das mache ich normal nie." Die Konsequenz folgte vor dem Zielhang: "Ich hab einen klassischen Touristenschwung eingelegt, das war der Schlüssel zum Erfolg." Weniger gut erging es Teamkollegin Elisabeth Görgl, die nach aussichtsreichen Zwischenzeiten die entscheidende Passage nicht meisterte und ausfiel. Die vierte ÖSV-Läuferin Regina Sterz ("Zwei Fehler zu viel") wurde Elfte.

Österreichische Domäne

Der olympische Super G der Damen bleibt damit eine österreichische Domäne. Nach Michaela Dorfmeister (2006) und Andrea Fischbacher (2010) war es bereits die dritte Goldene in Serie. Die Premiere 1988 in Calgary hatte Sigrid Wolf für sich entschieden. (phb/APA, derStandard.at, 15.2.2014)

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Anna Fenninger

Maria Höfl-Riesch

Nicole Hosp

Alle bisherigen Olympiasiegerinnen im Super-G der Damen seit Aufnahme des Bewerbes 1988:

1988 Calgary Sigrid Wolf (AUT)
1992 Albertville Deborah Compagnoni (ITA)
1994 Lillehammer Diann Roffe (USA)
1998 Nagano Picabo Street (USA)
2002 Salt Lake City Daniela Ceccarelli (ITA)
2006 Turin Michaela Dorfmeister (AUT)
2010 Vancouver Andrea Fischbacher (AUT)
2014 Sotschi Anna Fenninger (AUT)

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