Unsere schöne kindische Zukunft

14. Februar 2014, 19:11
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Performerin Fanni Futterknecht im Wiener Wuk

Wien - Die Welt, in die Fanni Futterknecht die beiden Protagonisten in ihrem Video An Object With A Sharp Beginning gesetzt hat, ist zutiefst unheimlich. Derzeit läuft die Erstaufführung dieser Arbeit im Wuk. Wer durchstehen will, was die junge Wiener Performancekünstlerin da auf die Leinwand projiziert, braucht strapazierfähige Nerven.

Denn dieses traktieren eine junge Frau und ein junger Mann mit lippenlosen Plastik-Gesichtsmasken und hippen Schildkäppchen auf den Köpfen. Sie spricht mit piepsender und er mit quäkender Stimme. Beide treiben die Tonlagen von Tweety und Sylvester, dem Küken und der Katze in einem berühmten US-Comics, auf eine Kopfschmerz erzeugende Spitze.

Die beiden in buntes, futuristisch wirkendes Gummizeug gekleideten Charaktere hat Futterknecht bereits 2011 in ihrer Performance I Almost Love You ebenfalls im Wuk eingeführt: Kunstfiguren in einer Billiglandschaft aus skulpturenähnlichen Objekten. Dort wird das Drama des Menschseins in eine stark vereinfachte Parallelwelt gezwängt. Wieder aufgetaucht ist das Pärchen ein Jahr später in dem Stück This Is Not A Romantic Project, das jetzt mit dem neuen Video, für das Futterknecht wieder mit Camilo Latorre zusammenarbeitet, fortgesetzt wird.

Der eigentliche Schrecken in allen drei Arbeiten ist, dass hier das Bemühen von Enter- und Politainment um die Infantilisierung unserer Gesellschaft brutal auf die Spitze getrieben erscheint. Ohne Pause geben die beiden künstlichen Kinder grenzenlos platte Pseudoweisheiten von sich. Und die Objekte, mit denen sie begeistert hantieren, sind von einer abgründigen Banalität. Aus diesem Nihilismus baut sich im Video An Object With A Sharp Beginning eine Aggression auf. Schließlich zielt der junge Mann von der Leinwand herab mit einem Revolver auf das Publikum und das Pärchen quäkt: "Stop Watching!"

Eine so konsequente Persiflage auf das, was dem immer stärker bevormundeten Homo sapiens bald blühen könnte, ist selten zu sehen. Eingeleitet wird die Präsentation des Videos übrigens von einem Toypiano-Konzert (Elisabeth Ettenauer) und mit drei Werken des österreichischen Komponisten Karlheinz Essl. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 15./16.2.2014)

Bis 16.2.

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