Oliver Twist 2014

Einserkastl14. Februar 2014, 18:44
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Bei der Causa um minderjährige Taschendiebe handelt es sich um ein soziales, kein "ethnisches" Problem

"Weil sie Roma sind, wagt niemand, die Situation zu thematisieren", sagt Norbert Ceipek, der Leiter der "Drehscheibe", einer Wiener sozialpädagogischen Einrichtung für problematische ausländische Jugendliche. "Die Banden schlagen in die Kerbe zwischen Gutmenschen und Hardlinern".

Es geht um ein paar Dutzend jugendliche Taschendiebe, meist bosnische Roma in Wien. Ein Bub wurde kürzlich wegen Strafunmündigkeit vom Richter gegen den Widerstand des Staatsanwalts freigelassen, gegen ein Mädchen läuft das Verfahren weiter, weil sie laut Amtsarzt fast 18 ist, obwohl sie sehr kindlich aussieht. Die Kinder und Jugendlichen sind Opfer, sie werden von Hintermännern zum Stehlen eingesetzt, haben "Mindestumsätze" zu erbringen und werden für Ablösesummen weitergereicht. Wir schreiben das Jahr 2014, nicht 1837 (das Jahr, in dem Charles Dickens seinen Klassiker "Oliver Twist" mit ganz ähnlicher Thematik aus den finstersten Slums von London erscheinen ließ).

Was kann man an der Situation "thematisieren"? Dass es ein riesiges soziales Problem in Osteuropa, und ein noch größeres unter den Roma in Ost-und Südosteuropa gibt? Dass es keine kurzfristige, halbwegs anständige Lösung gibt? Vielleicht, dass die Behörden für den Kampf gegen die Hintermänner mehr Mittel in die Hand bekommen sollten. Und dass man es als soziales, nicht "ethnisches" Problem sehen soll. (rau, DER STANDARD, 15.2.2014)

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